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7 FAQ’s an einen jungen Pfarrer

Mit dem neuen Jahr gehöre ich auch zur Blogger-Community. Wer neu dazu kommt, sollte sich höflichkeitshalber vorstellen.

Alles klar. Aber statt einer langen Vorstellung, hier eine Liste mit Fragen, die mir häufig gestellt werden. Als junger Pfarrer (28) muss man sich so einige Fragen gefallen lassen. Es gibt keine dummen Fragen, aber häufig gestellte Fragen. Ich habe hier mal die Top 7 der FAQ’s (Frequently Asked Questions) zusammengestellt, die ich so in den letzten Jahren gehört habe:

1. Ist Ihr Vater, der Herr Pfarrer, auch zu Hause?

Eine der häufigsten Frage an meiner Pfarrhaustüre! An was das wohl liegt? Stellt man sich einen Pfarrer anders vor? Vielleicht mit Bart oder mit Hut und Krawatte?  Ich muss dringend mal einen Stilberater fragen.

2. Wie darf man Ihnen sagen, Herr Pfarrer, Sie oder Du oder…?

Ich bin jedes Mal froh, wenn diese Frage kommt. Denn selber zum Du zu kommen, ist manchmal echt schwierig. Der Stilberater meint zum ,Du‘ anbieten: Alter vor Rang vor Geschlecht. Darum habe ich meist gar kein Wahl und muss warten, bis mir jemand das Du anbietet. Darum: Gut, wenn ich das gefragt werde.

3. Darf man als Pfarrer heiraten?

Selbstverständlich, jedenfalls als reformierter. (Man muss aber auch nicht.)

4. Wie bist du darauf gekommen, Pfarrer zu werden?

Bei dieser Frage höre ich beides: Geht‘s noch, du und Pfarrer? Und auch: Das hast du dir bestimmt gut überlegt. Bei mir selber war es im Nachhinein vor allem eine Verkettung von Umständen: Bei der Studienwahl in der Berufsberatung schwankte ich zwischen Medizin und Geographie. Doch bei einem Interessens-Test bei der Berufsberaterin schwang Theologie oben aus. Ich fragte noch: Geologie? Nein, Theologie, meinte die Berufsberaterin. So viel zum ersten Umstand, es kamen noch viele mehr dazu. Doch auch Verkettungen von Umständen können glücklich und nicht nur unglücklich enden.

5. Was ist eigentlich an Pfingsten passiert?

Interessanterweise werde ich nie gefragt, was an Weihnachten oder Ostern passiert ist. Pfingsten aber häufig. Ich vermute, Pfingsten ist einfach schwierig zu merken, weil es keine Pfingsteier oder Pfingstgeschenke gibt. Man müsste etwas erfinden!

6. Bist du eigentlich nervös vor deinen Gottesdiensten?

Der Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart hat mal gesagt, dass er immer noch vor jedem seiner Auftritte ein unglaubliches Lampenfieber hat. Und dabei spielt er einige Stücke mehr als hundert Mal. Ich bin jedes Mal nervös, weil jede neue Predigt eine Uraufführung ist.

7. Ist daheim schon für Sie gekocht?

Eine häufig gestellte Frage von besorgten älteren Frauen aus der Gemeinde. Vor allem vor der Mittagszeit. Ich vermute, dann sieht man mir einfach den Hunger zu stark an. Leider sind aber die Zeiten vorbei, als man im Pfarrhaus eine Köchin angestellt hatte. Deshalb gibt‘s nichts anderes: Selbst ist der Mann!

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6 Kommentare

  1. Lieber Lukas, Danke für Deinen einzigartigen, lustigen Blog. Übrigens sind dadurch zwei unserer dringendsten Fragen zu Deiner Person schon beantwortet worden. Und unsere Kidz würden ergänzen, „und er redet soooo lustig!!!“

  2. Ein super Einstieg in deine Blog-Mitarbeit, lieber Lukas!
    So eine FAQ über die berühmtesten Fragen an die Pfarrersleute wäre bestimmt super spannend!

    Christine und ich können da auch einiges beitragen. Wir teilen die Gemeindepfarrstelle ja zu je 50%. Und dann hörte Christine anfänglich Bemerkungen wie „Das ist ja nett, dass Sie Ihrem Mann helfen!“ oder „Und wenn Sie jetzt bei mir sind, wer kocht denn dann für Ihren Mann?“.

    Oder gern erzähle ich auch diesen:
    Wenn ich mit dem Postauto zum Gefängnis fahre und unterwegs dann Gemeindeglieder treffe, fragen diese gern „Gehst du jetzt schaffen“? – Da frage ich mich doch, was ich denn eigentlich mache, wenn ich auf Besuchsrunde in der Gemeinde oder im Konf-Unti bin.

    … könnte ellenlang fortgesetzt werden!

  3. Mich würde mal Interessieren ob man den „Job“ Pfarrer auch so einfach ablegen kann oder ob man 24h 365 Tage im Jahr Pfarrer ist.

    Kann man als Pfarrer – Pflichtfreie Ferien machen?

    Fragen über Fragen 😀

    Mona

    • deine fragen Mona muss sich jeder pfarrer stellen, darum sind es gute Fragen (es gibt ja auch nur gute Fragen :-).
      Es ist schon recht anders als andere Jobs, ich muss nirgendwo einstempeln und habe keine so starke Teilung Arbeit/ Freizeit. Wenn ich das Pfarrersein ablegen will (auch in den Ferien), gehe ich gerne mal raus aus meiner Gemeinde und mit dem Zug irgendwo hin. Das tut gut, um dann wieder richtig eintauchen zu können.

      Ganz ablegen kann ich’s aber trotzdem nicht, ich find das aber auch gut so: Das Pfarrersein verändert etwas die Wahrnehmung. Beim Lesen eines inspirierenden Buchs, eines berührenden Musikstücks kann ich auch auf neue Gedanken kommen z.B. für eine Predigt. Ist das beim Bloggen nicht etwas ähnlich? Verändert das Bloggersein nicht auch etwas die Wahrnehmung des Alltags und man kann es nicht so einfach sein lassen?

  4. …und zwei ergänzende FAQ’s für die Liste der Frauen im Pfarramt:
    1. Ist ihr Mann, der Herr Pfarrer, auch zu Hause?
    und, 2. diese Frage fand ich immer umwerfend erheiternd:
    sie bringen doch für den Seniorennachmittag einen Kuchen mit, Frau Pfarrer?
    Ich backe nicht, ich kann und will nicht wirklich kochen… und ja. ich bestelle Kuchen grundsätzlich beim Bäcker – auch für den Seniorennachmittag:-)!

    • danke für deine Ergänzungen Anita. Da gibt es wohl wirklich genderspezifische Unterschiede. Jedenfalls habe ich die zweite Frage noch nie gehört. Es wundert mich, dass die Erwartungen an Pfarrerin/Pfarrer doch noch so unterschiedlich sind. Aber vielleicht wird sich das in den nächsten Jahren ändern. Denn in den letzten Jahren haben deutlich mehr junge Pfarrerinnen als Pfarrer ihre Ausbildung abgeschlossen.

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