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Abschiedlich leben

Im „Fachjargon“ der Pfarrerinnen und Pfarrer begegnen einem manchmal Begriffe, die man eigentlich nicht so ganz versteht. „Abschiedlich leben“ ist so ein Begriff. Was soll denn das bedeuten?! Jetzt habe ich erleben dürfen, wie eine alte Frau das gelebt hat:

Trotz ihres Alters hatte die Frau noch einiges vor: Sie war gerade gezügelt in eine altersgerechte Wohnung in einen neuen Ort. Sie hat dort die Angebote für Seniorinnen und Senioren mitgemacht. Sie hat bei der Altersreise mitgemacht, sie hat neue Freunde gefunden.
Und dann nach ein paar Monate: fürchterliche Schmerzen, Spital und die niederschmetternde Nachricht: Krebs – und zwar schon sehr weit. Und noch eine Woche später: Man kann nichts mehr machen…
Trauer, Wut, Verzweiflung, aber dann:
Nimmt sie das Telefon und ruft alle Menschen an, die ihr wichtig sind und sagt ihnen Bescheid. Und viele kommen sie besuchen, nehmen weite Wege auf sich. Für alle die letzte Gelegenheit, Abschied zu nehmen, wenn man es denn wagt.

Zwei Monate später ist sie gestorben und die vielen Menschen an der Abdankung haben sich dort auf andere Art verabschieden können – weil sie schon vorher Abschied nehmen konnten. Als sie noch lebte.

Das hat mir grosse Hochachtung eingeflösst! So möchte ich auch einmal Abschied nehmen können!

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