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Adidas – das Wesentliche, sonst nichts

Foto: Adidas – das Wesentliche, sonst nichts
Foto F. Pedrotti

Es ist vielleicht schon 25 Jahre her, als ich eine Werbung im Fernsehen sah. Eigentlich sah man nicht so viel, sondern es gab vielmehr etwas zu hören, was ich bis heute nicht vergessen habe: Tack… Tack… Tack… Tack… – dann eine ganz kurze Pause und Applaus vom Publikum.

Unverkennbar ein Ballwechsel zweier Tennisspieler. Als der Ball im Aus oder im Netz landete und das Spiel unterbrochen wurde, applaudierte das artige Tennispublikum. Anschliessend sagte eine dieser coolen Männerwerbestimmen: «Adidas – das Wesentliche, sonst nichts».

Diese löste Aussage bei mir viele Gedanken aus, die mich heute noch beschäftigen: Hier behauptet eine Luxusartikelfirma «Adidas – das Wesentliche, sonst nichts». Sie behauptet und suggeriert: das musst du haben. Das ist äusserst wichtig, das ist wesentlich!

Jeder weiss, dass man zum wichtig sein und für sein Lebensglück nicht Adidas tragen muss, und dennoch fordert eine solche Aussage heraus. Sie provoziert weitere Fragen:

  • Was ist denn wesentlich im Leben?
  • Was macht der Sinn vom Leben aus?
  • Wofür lohnt es sich wirklich zu leben?

Jeder Mensch stellt sich im Laufe seines Lebens immer wieder diese Fragen: Wozu das eigentlich alles? Wofür mache ich das eigentlich? Was bleibt von meinem Leben eigentlich übrig? Was trägt, beseelt und bewegt mein Leben?

Im eigenen Leben habe ich selber einige solcher Punkte erreicht, an denen ich mir diese Frage stellte. Die Bibel ist voll von Fragen und Aussagen rund um das Leben. Bei dem Werbespruch «das Wesentliche, sonst nichts» muss ich unweigerlich an eine Aussage denken, die Jesus über das Sorgen und das Schätze sammeln auf Erden und im Himmel machte (Matthäus Evangelium Kapitel 6, ab Vers 19): man solle sich nicht Sorgen um das Leben und die äusserlichen Dinge machen. Wir sollen vielmehr die Vögel unter dem Himmel anschauen, sie würden nicht säen und ernten und dennoch können sie leben. Wir sollen nicht Schätze sammeln wie z.B. kostbare Kleider und Wertsachen, die gestohlen werden können und vergänglich sind, sondern Schätze im Himmel.

Auf den ersten Blick kann man sich über diese Aussage ärgern und vielleicht noch dazu sagen und denken, typisch Bibel oder Kirche. Die erzählen immer Dinge die nicht in die reale Welt passen. In der Realität kommt man doch nicht drum herum, sich sogar Sorgen zu machen, vorzubeugen und zu sparen. Denn Gründe gibt es genug in unserer Welt.

Aber beim zweiten Hinschauen entdecke ich, dass es um die Frage nach dem geht, was im Leben wesentlich ist, was wirkliches Leben und Lebenssinn stiftet. Die Aussage von Jesus ist auch eine Absage an den Irrglauben, dass man sich sein Leben versichern kann. Finanziell, nach aussen kann man sein Leben vielleicht halbwegs absichern – das machen die Versicherungen, aber sinnstiftend, existentiell und inhaltlich, tragen die vermeintlichen Reichtümer das Leben nicht. Ein stimmiges Gefühl und Gespür für den Augenblick des Glücks kann nie versichert und erkauft werden, sondern nur mit allen Sinnen erlebt werden.

Die Aussage von Jesus, wie ich sie verstehe, fragt uns, was das Leben trägt und zusammenhält.

Nach den schrecklichen Erfahrungen im Konzentrationslager der Nazizeit, hat sich nach 1945 der jüdische Arzt und Neurologe aus Wien, Viktor E. Frankl,  therapeutisch und wissenschaftlich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt und daraus die psychotherapeutische Methode der Logotherapie und Existenzanalyse, die sogenannte dritte Wiener Richtung, entwickelt. (Lesenswert dazu das Buch «Trotzdem ja zum Leben sagen – ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager».)

Frankl hat durch Untersuchungen herausgefunden, dass rund 80 % der Menschen in der modernen Gesellschaft der westlichen Industrieländern in ihrem Leben irgendwann an der «Krankheit» der Sinnlosigkeit leiden. Er bezeichnet das als «existentielles Vakuum». Frankl vergleicht den Menschen, der an Sinnlosigkeit leidet, mit jemandem, der in einem Hamsterrad immer schneller und schneller läuft, aber nie wirklich ankommt. Frankl meint, dass der Mensch aus dem Rennen und Jagen austreten muss und Sinn dadurch erleben kann, dass er von einem Wert berührt wird.

In der Aussage von Jesus ist das der Punkt. Wo ein Mensch im Herzen berührt wird, da ist der Schatz des Menschen. Jesus sagt, dass es noch etwas grösseres gibt als die Welt, als die Dinge, die nur uns Menschen einschliessen. Etwas was über den Menschen hinausgeht. Jesus nennt hier den Himmel, Gottes Reich, Gott selber.

Was wesentlich im Leben eines Menschen ist, was sein Leben trägt, sein Leben ausfüllt, wofür es sich lohnt zu leben, das bestimmt und entscheidet jeder Mensch für sich alleine. Das kann und soll nie verordnet werden. Jeder Mensch wird spüren, wenn er aus dem Hamsterrad der Hektik, des Stresses und des Aktivismus heraustritt, was sein Herz wirklich berührt!

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Leser, dass sie ganz tief von dem Wert berührt werden, der ihr Leben trägt und aufblühen lässt!

 

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1 Kommentar

  1. Die drei im Text eingerückten Fragen sind tatsächlich „lebens-Not-wendig“! Denn nur wenn man sich ihnen stellt, kann das allgemeine, natürliche „Leben“ und dessen „Not“ „gewendet“ werden: Durch Hinwendung zum Herrn und Gott Jesus Christus! Nur durch ihn können wir die lebendige Perspektive für unser kurzes bis langes Leben erfahren und erlangen mit Auswirkung auf – unser ewiges Leben in Gottes Gegenwart oder Gottes Abwesenheit.

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