Beitragslink

2

An der Quelle des Lebens – im Altersheim

Einer meiner liebsten Ort im Pfarramt ist die Altersheim-Andacht. Nicht weil da wenig Widerspruch kommt und der Pfarrer noch der Pfarrer ist, sondern weil mich die hochbetagten Menschen oft auf eine besondere Weise berühren.

Gerade haben wir zusammen Abendmahl gefeiert. Gut zwanzig meist knochige und fleckige Händepaare hielten die Brotstücklein und dann, oft zitternd, die Becherlein mit dem Traubensaft. Es ist eine Anteilnahme und eine Innerlichkeit zu spüren, die ihresgleichen sucht. Diese Menschen auf der letzten Wegstrecke ihres langen und erfahrungsreichen Lebens: Sie tragen viel. Viel an Herausforderungen: Mit dem Krank- und immer Schwächerwerden zurechtkommen. Mit dem Verlust vieler liebgewonnener Weggenossinnen und -genossen zurechtkommen. Dem eigenen Sterben nahe sein.

Viele sind sehr schlicht geworden. An der Wand hängen Wünsche, die in der Aktivierung gesammelt wurden. Auf einem Blatt steht: „Ich möchte wieder einmal im Garten jäten gehen“. Daneben Friedenswünsche für die Welt und für ihre Familien. Die ganz elementaren, grundlegenden Dinge stehen (wieder) im Fokus.

Dies ist mein Leib – dies ist mein Blut. Ich kann fast körperlich spüren, wie ernst diese Menschen die Feier nehmen – sie nehmen teil, haben Teil an der grossen Hoffnung der Christenheit, dass wir alle aufgehoben sind einem grösseren Leben.

Sie wissen, was überwinden heisst, denn sie haben schon viel überwinden müssen. Und sind nun daran, mit Christus auch diese Welt zu überwinden. Und ich, herumgezerrt von meinen Mid-life-Nachdenklichkeiten, lerne von ihnen, was Dankbarkeit ist.

Wenn wir miteinander singen, sind die Stimmen manchmal brüchig und dünn – und doch haben diese Gesänge und Gebete ein Andacht und Kraft, die mich durch den Tag tragen.

 

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (0)
  • berührend (15)
  • lustig (0)
  • nachdenklich (1)
  • wichtig (0)
  • fragwürdig (1)
  • langweilig (0)

2 Kommentare

  1. Lieber Martin,

    ich wollte Dir zu Deinen Beiträgen ein grosses Kompliment machen. Ich habe mich heute ertappt, dass ich vergangene Beiträge von Dir bewusst aufgesucht habe. Danke für die wunderbaren Texte und Gedanken.
    Falls Du Dich wunderst warum ich Dich Duze… wir haben zusammen in Zürich studiert. Bin nun nach langem wieder in der Schweiz uns pfarrere im Baselland für eine Weile 🙂
    Herzliche Grüsse
    Sonja

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.