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Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Foto: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Aufräumen vor dem Umzug, für den Flohmarkt bereit

Einer der wichtigsten französischen Romane des 20. Jahrhunderts ist das monumentale Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. In einer Szene beschreibt der Autor, wie er durch den Geschmack eines Schmelzbrötchens, das er in den Tee tunkt, wieder in seine Kindheit zurück versetzt wird. Damalige Erlebnisse und Emotionen wallen in ihm wieder auf und ergiessen sich in sein Herz und seine Gedanken.

Weniger romantisch und literarisch ergeht es mir momentan: Da wir bald zügeln werden, bin ich am „Misten“. Eine mühsame, erfreuliche, amüsante, traurige, schwermütige, ärgerliche, aufwendige Arbeit. Und bei jedem Buch, bei jedem Objekt taucht ein Stück meines Lebens und meiner Lebensgeschichte auf. Hoffnungen und Träume, Ziele und Wissen, Sachen aus dem Studium, Vergangenes. Einiges kommt in die Kiste mit der Aufschrift „mitnehmen“, anders verschwindet in der Kiste „Flohmarkt“, der Rest kommt in die Mulde.

Und immer wieder denke ich an das Jesuswort, man solle „im Leben weitergehen und den Sand von den Sandalen schütteln“ (in Anlehnung an Matthäus 10,14). Das ist sicher leichter gesagt als getan, aber sehr befreiend und heilsam. Es beschreibt anschaulich die hohe Kunst des Loslassen: Das Schöne liebevoll im Herz der Erinnerung lassen und das weniger Schöne versöhnlich zurücklassen. Es fordert uns aber auch auf, im Hier und Jetzt zu leben und nicht immer wieder sehnsüchtig zurück zu schauen.

So bekommt das Aufräumen und Ausmisten etwas Wohltuendes und Befreiendes. Und das Schmelzbrötchen und die Tasse Tee gibt Stärkung für die nächste Kiste!

 

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1 Kommentar

  1. bei jesus-worten fragt es sich immer, ob er sie tatsächlich gesagt hat, zu wem etc – bei all dem fotografierenn (schöner verschreiber: rennen nach schnappschüssen) und elektronischen speichern: die erinnerung an die erinnerung gefällt mir

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