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Ausziehen, bitte

Foto: Ausziehen, bitte

In zehn von zehn Fällen bin ich gegen die so genannte kirchliche Hochsprache im Gottesdienst.

Damit meine ich die salbungsvollen, bedeutungsschwangeren Worte, die wie ein zäher Brei die Kanzel herunter fliessen. Neun von zehn Leuten verstehen nämlich nichts, geben es aber niemals zu. Lieber streichen sie uns den Brei wieder ums Maul mit den Worten: „Danke für die schöne Predigt.“ Oder sie bleiben in Zukunft einfach zu Hause. Glauben Sie mir, ich weiss, wovon ich rede.

Oder wissen Sie, was das vergleichsweise harmlose Wort „Auszug“ bedeutet? Ich will es gerne sagen:

Eine Kollegin war eben dabei, ihre erste Hochzeitsfeier abzuschliessen. In ihren Notizen stand: „Aufstehen, Segen, Auszug Brautpaar, Gemeinde stehen bleiben.“ Sie sagte zur versammelten Festgemeinde: „Ich möchte Sie nun bitten, sich zu erheben und stehen zu bleiben, bis das Brautpaar ausgezogen ist!“

Ich glaube, die eine Hälfte steht heute noch und wartet, bis sich die beiden ausziehen. Die andere hat sich halb totgelacht.

Es gibt bestimmt noch viele missverständliche Kirchen-Worte, oder?

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4 Kommentare

  1. Nadine Hassler Bütschi 27. Februar 2014 um 20:05 Antworten

    Vor einigen Jahren hatte ich eine Abdankung in einem kleinen Dorf im Waadtland.
    Dort ist es üblich, dass der Sarg in der Kirche steht während des Gottesdienstes und anschliessend tragen die Friedhofsgärtner den Sarg aufs Grab und die Gemeinde geht mit. Nun heisst Friedhofsgärtner auf französisch „croque mort“. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Totenbeisser“. Weil mir der Ausdruck ziemlich schrecklich schien, wollte ich es eleganter formulieren und erklärte den anwesenden Trauergäste, dass die „croque monsieur“ den Sarg voraustragen werden. ich war etwa perplex als ein Raunen und dann ein Gekicher durch die Gemeinde ging, dass sich schliesslich zu einem unterdrückten Gelächter steigerte.
    Dummerweise hatte ich aber durch meine „Verschönerung“ der Sprache gesagt, dass die „Käseschnitten“ den Sarg zum Grab tragen werden…

  2. Zwar nicht ganz Kirchlich.. Aber bis vor kurzen sagte ich „Heliumprojektor“ weil ich das so in der Schule immer verstanden habe 🙂

    Ja, natürlich ist mir heute auch klar: Es heisst „Hell-Raum-Projektor“ 😀

  3. :-)))), ein süperbes Beispiel für die „elegante“ eigentlich unverständliche Hochsprache. Erwische mich auch öfter mal dabei, mein Lieblingsbeispiel: ein Verschreiber auf einer Powerpoint Folie, statt „Eingangsgebet“ habe ich „Eignungsgebet“ geschrieben…!!!

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