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Babylonischer Sprachenwirrwarr

Können Sie Schweizerdeutsch lesen? Falls ja, sind Sie ein Glückspilz!

Dialekte lesen gehört nämlich zu den Fähigkeiten, die ein Pfarrer oder eine Pfarrerin unbedingt beherrschen sollte, wenn er oder sie mit Jugendlichen und Erwachsenen in einem Chat kommuniziert.

Leider ist es aber eine Fähigkeit, die mir absolut abhanden geht. Ich quäle mich durch einen Wörterdschungel, in dem statt einem i ein e steht und so seltsame Laute wie au, öu oder eu ganze Wortteile ersetzen.

Statt eine Terminabsprache schnell zu erledigen, buchstabiere ich wie eine Erstklässlerin die einzelnen Wörter und rätsle über ihre Bedeutung.

Dabei wäre ich sprachlich nicht unbegabt, bin ich doch schliesslich mit fünf Fremdsprachen aufgewachsen, die ich immer noch fliessend spreche. Und weil ich andere Sprachen ausgesprochen mag, habe ich mich als Studentin nicht nur mit dem obligatorischen Latein-Griechisch-Hebräisch auseinander gesetzt, sondern – zum Spass und Vergnügen – auch Akkadisch, Mittelägyptisch, Koptisch und Jiddisch gelernt. Ach ja – und das Baseldeutsch ist meine Muttersprache, wobei mein aus dem Kanton Bern stammender Mann diesen Dialekt auch unter meinen Fremdsprachen einordnet.

Aber eben, Dialekt schreiben und lesen fällt mir enorm schwer und ist einfach sehr, sehr mühsam.

Darum, bitte lieber Gott, lass die Schriftsprache wieder Schriftsprache sein und Schweizerdeutsch (in welchem Dialekt auch immer) gesprochene Sprache!

 

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2 Kommentare

  1. und ich han mir extra en Baseldytsch Dix kauft, um einigermasse lesbars Dialäkt z’schryybe.
    Aber zugegebenermassen, ich schreibe auch lieber Standard-Deutsch, einfach weil dann die Rechtschreibprüfung funzt. Aber lesen, so wunderbares Bern-, Basel- oder Walliserdialekt, ist doch eine Bereicherung unserer verbalen Kommunikation und sollte meine Erachtens gepflegt werden – auch wenn es dauert. 😀

    • Nadine Hassler Bütschi 21. Juni 2016 um 21:38 Antworten

      Lieber Hanspeter Locher – danke für Ihr Feedback. Ja – gegen Bereicherung der verbalen Kommunikation habe ich nichts. Und bei meiner letzten Hochzeit hat die Trauzeugin eine Bibelstelle aus der Berndeutschen Bibel vorgelesen – und es war eine wunderschöne Übersetzung! Vielleicht sollte ich mir Ihr Vorgehen zu Herzen nehmen und mir auch ein Baseldytsch Dix besorgen…dann leide ich in den Chats wenigstens nicht mehr alleine! 🙂 Lachende Grüsse, Nadine Hassler Bütschi

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