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Best of Kirchenaustritte

Austrittsschreiben
Austrittsschreiben

Menschen treten aus der Kirche aus. Wir wissen das alle. Nur wie sie es tun, das bleibt den meisten verborgen. Und darum gebe ich ihnen heute einen Blick hinter die Kirchenkulissen: Wie treten die Menschen aus unserer Kirche aus? Eine kleine Offenbarung aus den versiegelten Akten der Kirchenaustritte, inklusive meinem persönlichen Senf dazu. Aus den erhaltenen Briefen und telefonischen Rückfragen bei den Austretenden, habe ich meine persönliche Bestenliste zusammengestellt:

Platz 1: Der wütende Austritt

Nicht besonders kreativ dafür häufig: Das erboste Austrittschreiben (Ausschnitt):

„Ich erkläre hiermit mit sofortiger Wirkung den Austritt aus der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. Die Gründe für meinen Kirchenaustritt sind persönlich und sehr gut überlegt. Ich wünsche ausdrücklich keine Bedenkfrist, keinerlei Rückfragen und keine Hausbesuche. Ein allfälliges Austrittsformular ihrer Kirchgemeinde wird nicht akzeptiert, respektive beantwortet, da diese schriftliche Willensäusserung laut Verfassung rechtskräftig ist. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass jeder Versuch, meinen Kirchenaustritt zu verhindern, gegen den Artikel 15.4 der Bundesverfassung über die Glaubens- und Gewissensfreiheit verstösst. Ich erwarte, dass sie meinen Kirchenaustritt ohne Rückfragen zur Kenntnis nehmen.“

Dieses Schreiben kommt von langjährigen Mitgliedern unserer Kirchgemeinde. Bei solchen Schreiben frage ich mich: Was hat die Kirche diesen Menschen angetan, dass sie so unglaublich wütend auf sie sind? Oder waren die Absender einfach zu faul, selbst zu denken und nahmen die Vorlage eines Finanzberaters, der ihnen das Formular mit den Worten aushändigte: „Damit haben sie sicher Ruhe und werden nie mehr etwas von dieser Kirche hören.“

Interessant finde ich jeweils diesen Passus:

„Einträge in Kirchenbuch und Taufregister und ähnlichem sind zu löschen“

Und hier zur Info: Wer einmal getauft ist, kann diese nicht rückgängig machen. Wer konfirmiert wurde: Auch das bleibt; einen Segen kann man nicht widerrufen. So wie auch eine Geburt nicht rückgängig gemacht werden kann oder eine Hochzeit, auch wenn man plötzlich nicht mehr einverstanden damit ist.

Platz 2 Der falsch Informierte Austritt

„Hiermit trete ich aus der römisch-reformierten Kirche aus.“

Mein Lieblingsaustritt. Mein Tipp: Vor dem Austritt klären, wie dieser Verein genau hiess, dem man angehört hat.

Platz 3 Der Ich-kann-das-Besser-Austritt

„Ich habe mich nun aber entschlossen, das was ich an Kirchensteuern einspare, nach freier Wahl an gemeinnützige und soziale Institutionen und Aktionen zu spenden.“

Der Austretende hat eigentlich nichts gegen die Kirche und auch nicht, dass sie sich für verschiedene Hilfswerke und Menschen, die am Rand leben, engagiert. Aber er findet: „Ich spar das Geld lieber und spende den Betrag an einen Ort, den ich selbst aussuche.“

Guter Plan! Leider habe ich bisher noch nie nachgefragt, ob und wohin nun der gesparte Betrag tatsächlich gespendet wurde. Aber da ich das „vermeintliche Sparen und dann irgendwo anders ausgeben“ nur zu gut bei mir selbst kenne, bin ich nicht so sicher, ob das wirklich funktioniert.

Platz 4 Der geizige Austritt

Aus einem Telefongespräch: „Wissen sie, mein Mann wurde befördert und verdient jetzt viel mehr Geld. Und SOVIEL Kirchensteuern wollen wir nun wirklich nicht bezahlen. Darum treten wir aus.“ Ja, wir verstehen das. Nicht wirklich. Wer so denkt und seinen Haufen Geld vor den bösen Steuerabgaben schützen will, muss sich mal fragen, weshalb er so viel zahlen muss. Könnte es eventuell sein, dass sein Einkommen oder sein Vermögen so viel grösser ist, als das des Durchschnittbürgers?

Platz 5 Der Austritt der unbeachteten politischen Minderheit

Aus einem Gespräch: „Die Interessen meiner Partei … werden nicht vertreten“.

Ich hab leider vergessen nachzufragen, um welche Interessen es sich hier im Detail handelt. Aber ja stimmt. „Ausländer raus!“ und ähnliches sind nicht Parolen, die zu unserem Kirchenjargon gehören. Dennoch fände ich es sehr schade, wenn zu unserer Volkskirche nur noch Mitglieder mit ähnlichen Meinungen gehören würden. Es ist die Stärke unserer Institution, dass man in ihr über verschiedene, ja sogar entgegengesetzte Meinungen anständig miteinander diskutieren kann.

Platz 5 Der selbsterleuchtete Austritt

„Ich lebe meinen Glauben alleine“. Diese Person findet Gott auch ausserhalb der Kirche. Und pflegt ihren Glauben von nun an alleine. Meine persönliche Gratulation zur persönlichen Glaubenspflege! Ich hoffe doch sehr, dass Gott auch ausserhalb der Kirche zu finden ist. Und ja, falls es die Kirche nicht mehr gäbe, wird sich Gott deshalb nicht auflösen. Wir machen Kirche ja nicht für Gott, wir machen sie für uns Menschen. Kirche macht Sinn, weil sie eine Gemeinschaft ist, die einander trägt. Sie macht Sinn, weil sie als Institution die Schwächeren vertritt und für diejenigen einsteht, die es selbst nicht können. Wie gut es ist, auf eine Institution zählen zu können, merkt man erst, wenn man selbst auf Hilfe angewiesen ist… Aber bis dahin denken die meisten: Wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht.

Platz 6 Der „Ach, so was brauch ich nicht mehr“- Austritt

Wissen sie, sowas wie Kirche brauche ich nicht mehr. Mir geht es gut.“ Nannte mir diese Person als Grund für den Austritt. Die dienstleistende Kirche hat ihren Auftrag verwirkt. Es ist zu Ende.

Ich hatte mir bis dahin nie überlegt, ob man tatsächlich aus so einer Mitgliedschaft herauswachsen kann und man irgendwann so weit ist, dass sich Kirche erübrigt. Aber anscheinend gibt es Menschen, die so denken. Ja ich kenne sogar Konfirmanden, die finden, nach der Konfirmation hat sich das mit der Kirche erledigt und anschliessend ausgetreten sind.

All denen muss ich entgegnen: Eigentlich ist das mit der Kirche anders gedacht. Mehr so: DU bist Kirche. Gestalte mit, sei ein Teil von ihr! Bring deine Art zu Glauben, deine Fragen zum Leben mit ein. Aber vielleicht gibt es ja Menschen, die irgendwann keine Fragen mehr zum Leben und alle Antworten gefunden haben. Ich noch nicht.

Platz 7 der höfliche, religionslose Austritt

„Ich möchte explizit keiner Religion zugehörig sein und orientiere mich an den guten menschlichen Werten. … Für administrative Aufwände lege ich CHF 50 Fr bei, der Rest ist für die Kollekte.“

Sehr höflich und Chapeau, er lässt seine guten menschlichen Werte auch bei einem Austritt zur Geltung kommen.

Platz 8 Der „Kurz -und –schmerzlos“ Austritt

„Frau M. G., geb. am … in …, getauft, möchte per 31.12.14 aus der Kirche austreten! Danke! Liebe Grüsse M.G.“

 

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21 Kommentare

  1. liebe kommentatoren und kommentatorinnen
    ich danke euch für das ernst nehmen meines blogs!
    ich nehme alle eure beiträge zur kenntnis.
    mit liebem gruss
    corinne dobler

    • hoi corinne
      schön zu sehen, dass der blog nicht nur von leuten aus dem „kuchen“ gelesen wird 😉
      die frage nach der löschbarkeit von registereinträgen und nach dem datenmanagement der kirche sollte tatsächlich geklärt werden. mein informationsstand ist auch der, dass ein eintrag ins kirchenbuch nicht einfach storniert werden kann, und zwar aus gesetzlichen gründen. mir fehlen aber die details dazu. eine ehe kann geschieden oder annuliert werden – aber man ist danach eben geschieden und nicht ledig. löschen lässt sich also die eigene historie wohl auf facebook, aber nicht generell. das eigenen leben ist keine festplatte, die man abschnittweise formatieren kann.
      da wird einiges verwechselt – die kirchlichen register sind ja nicht öffentlich, und mit daten gehen wir sorgfältig um. ich glaube, gerade den kirchen mit ihrer langen erfahrung von seelsorgegeheimnis und vertraulichkeit kann man keinen schindluder mit daten vorwerfen.
      diese fragen sind komplexer, als es den anschein hat. der wunsch nach löschung ist an sich für mich schon seltsam. was war, war, und ein stigma ist eine ehemalige kirchenmitgliedschaft dann doch noch nicht, genausowenig wie eine beendete ehe es zum glück nicht mehr ist.
      die genervtheit und aggressivität mancher austrittsschreiben ist ein phänomen, ebenso wie die tatsache, dass das den austretenden selbst oft gar nicht auffällt. häufig wird halt auch vorgedrucktes verwendet, es kursieren abgeschriebene formeln, persönliche sätze sind in meiner wahrnehmung die ausnahme.

  2. Als Hinweis zum „wütenden Austritt“:

    Das Schreiben ist wahrscheinlich auf die römisch-katholische Kirche gemünzt. Liest man nämlich deren Anweisungen für den Umgang mit Kirchenaustritten, so zeigt sich, dass praktisch jeder einzelne Punkt in diesem sogenannt „wütenden“ Schreiben auf die sektenhafte Verzögerungstaktik der RKK bezogen ist.

    Man mache sich selbst ein Bild (Textauszug mit Quellenangaben):

    http://pastebin.com/bRXMHqyq

    – dass die reformierte Landeskirche so ein Schreiben bekommt, schmerzt schon etwas (sogar mich). Nur bestätigt es auch, dass diese Personen halt so wenig von ihrer eigenen Kirche wissen, dass es wirklich nur ehrlich und konsequent ist nicht länger Mitglied zu bleiben.

  3. Der Autor scheint zu meinen, mit wenigen saloppen Sätzen die Argumentationen für Kirchenaustritte als sinnlos oder lächerlich entlarven zu können. Dabei haben sich viele Menschen diesen Schritt gut überlegt. Vielleicht wäre unserer christlichen Kirchen mehr gedient, wenn der Autor sich stattdessen überlegen würde, wie diese Menschen von der Kirche erreicht werden können. Was kann man tun, dass die Leute anfangen zu glauben und den Kontakt zu anderen Gläubigen und zu Gott suchen?
    Des weiteren würde mich interessieren, ob bei so einem Austrittsgespräch darauf hingewiesen wird, dass es auch andere Kirchen gibt, bei denen man mal reinschauen könnte. Wird zum Beispiel jugendlichen Austrittlern empfohlen, mal beim ICF reinzuschauen, damit sie zur Abwechslung mal gleichaltrige Christen treffen? Wird jemandem, der sich an der liberalen Haltung der ref. Kirche stört empfohlen, mal bei einer konservativen Pfingstgemeinde reinzuschauen? Oder besteht hier ein (stolzes) Konkurrenzdenken? Ist es besser, wenn ein Christ sich von Gott ganz abwendet, als dass er einer anderen christlichen Kirche, die ebenfalls Teil vom weltumspannenden Leib, den Jesus begründet hat, beitritt?

  4. „Der Austretende hat eigentlich nichts gegen die Kirche und auch nicht, dass sie sich für verschiedene Hilfswerke und Menschen, die am Rand leben, engagiert. Aber er findet: „Ich spar das Geld lieber und spende den Betrag an einen Ort, den ich selbst aussuche.““
    Der Vorteil des privaten Spendens liegt nicht nur in der eigenen Auswahl der Spendenempfänger, sondern vor allem in der Spendenhöhe, die tatsächlich beim Empfänger ankommt. Hilfsorganisationen kalkulieren mit 10-20% Verwaltungsaufwand, d.h. von gespendeten 100€ kommen mindestens 80 den Empfängern zugute. Dagegen fließen nach Eigenauskunft der ev. und r.-k. Kirche in DE höchstens 10% der Kirchensteuer sozialen Zwecken zu, also von 100€ Kirchensteuer nur 10. Die restlichen 90€ dienen ausschließlich kircheninternen Finanzierungen wie Verwaltung, Gebäudeerhaltung usw.. Wer also 100€ für gemeinnützige Zwecken spenden möchte, kann dies durchaus effizienter privat tun, als über die Kirchensteuer (im Verhältnis 8 zu 1).

  5. Und sie fragen sich noch, wieso die Leute austreten?
    Ich war bis zu meiner Konfirmation (welche gegen meinen expliziten Willen geschah, obwohl sie laut Pfarrer das „freiwillige mündige Bekenntnis des Christen zu seinem Glauben“ sei!) Mitglied der ref. „Landeskirche“.
    Wenn ich diesen arroganten, selbstgerechten Artikel lese, dann werde ich lebhaft daran erinnert, wieso ich als Agnostikerin ganz bestimmt nicht mehr Kirchenmitglied sein möchte.
    Könnte sein, dass sie damit gerade noch einige Leute zum Austritt bewogen haben.

  6. Diese Zusammenstellung und Kommentierung hat für mich einen ziemlich hämischen Unterton. Wenn die Leute in Scharen aus der Kirche austreten, ist es eben das Beste, sich in protestantisch-besserwisserischer Manier über die lustig zu machen, die austreten. Ganz großes Kino!

  7. Nun ja, Gläubige nehmen sich und ihre diversen Regularien halt sehr wichtig. Dazu gehört auch die Überzeugung, dass eine „Taufe“ oder andere „Sakramente“ nicht ungeschehen gemacht werden könnten und auch bei einem Austritt bestehen blieben. Auf Außenstehende wirkt das alles ein wenig merkwürdig, da schon mangels des/der höheren Wesen/s, das/die in solchen Glaubensgemeinschaften verehrt wird/werden, wie auch immer geartete Initiationsriten sowieso keinerlei Wirksamkeit haben. Dem Außenstehenden dürfen sie also als vollumfänglich gegenstandslos gelten. Dass man trotz offizieller Trennung von Saat und Kirche staatlicherseits gehalten ist, einen Austritt aus der einen oder anderen Kirche bei einem Amtsgericht beglaubigen zu lassen, hat mit der Erhebung der Kirchensteuer durch den Fiskus zu tun. Auch ich gelte der römisch-katholischen Kirche immer noch als getauft etc.. Aber man muss sich ja nicht jeden Schuh anziehen, den einem jemand hinhält, nicht?

  8. Zum Punkt „Einträge in Kirchenbuch und Taufregister und ähnlichem sind zu löschen“ den sie salopp und übel verfremdet mit „die Taufe kann man nicht Rückgängig machen“ zu parieren meinen:

    1. Registereinträge sind etwas anderes als die Sache an sich.

    2. Dass (gewisse) Kirchen, gewisse Handlungen als nicht rückgängig zu machen betrachten ist ihr Problem – was zählt sind die staatlichen/zivilrechtlichen Eckpunkte. Ehen sind aufkündbar – auch für Katholiken.

    3. Das Führen von Schattenregistern ehemaliger Mitglieder ist verboten. Dem Wunsch auf Löschung der eigenen Einträge muss entsprochen werden, das ist sogar gegenüber US-Giganten wie Facebook durchgesetzt. Es ist nicht zu begründen, weshalb die Kirchen hier einmal mehr ein in Sonderrecht gegossenes Privileg geniessen sollten. Der Fichenskandal nahm seinen Anfang in einer privat geführten Liste politischer Gegner (ist nicht ganz das Selbe, die Listenproblematik jedoch schon).

    • Das Problem bei dieser Forderung ist nur, dass Austretende in ihrer aktuellen Wohnsitzgemeinde austreten. Die Taufgemeinde aber ganz eine andere ist. Die Taufregister sind weder elektronisch noch über die lokale Gemeinde hinaus vernetzt. In Austrittsschreiben fehlen Taufort und -Datum meist, das Geburtsdatum ebenso…. Um Taufregister zu durchsuchen ob der Austretende zufällig in der betreffenden Gemeinde getauft wurde fehlt wirklich die Zeit

      • Es gibt in der Schweiz sowas wie ein Datenschutzgesetz! Wenn ich Beispielsweise meinen Swisscom-Anschluss kündige, ist die Swisscom auch verpflichtet, nach einer Ablaufzeit alle Daten über mich zu löschen! Dies gilt für jede Firma und gilt natürlich auch für Vereine/Kirchen!

        Da kann die Swisscom nicht kommen und sagen: Sorry, löschen nicht möglich, weil wir keine Ahnung haben, in welchem Ordner auf welchem Computer wir ihre Daten damals gespeichert haben!

        Vielleicht ist das gerade ein gutes Thema für den neuen EDÖB (Eid. Datenschutzbeauftragten)

        Grüsse aus dem Wallis
        Christian

      • Solch vereinsinterner Verwaltungskram ist nicht mein Problem. Eine etwas lächerliche Ausrede haben sie sich hier konstruiert.

        Bezeichnend auch der Unterschied: Mitglied wurde man ohne die eigene Zustimmung (konfirmiert grösstenteils aus sozialem/familiären Druck/Gepflogenheiten). Beim Austritt aber wird der explizit geäusserte Wunsch auch noch verweigert.

  9. Ok, ich bin Platz 8.
    Als Kind einer Gesellschaft zugefügt mit der ich als Erwachsene nichts anfangen kann und will. Also Tschüss und wech 😉

  10. „„Ausländer raus!“ und ähnliches sind nicht Parolen, die zu unserem Kirchenjargon gehören.“ Soso. Länger in keine Bibel mehr geschaut, was?

    Dabei geht die Gleichstellung der „Fremden“ – etwa, „Der Fremde muss ebenso wie der Einheimische getötet werden, wenn er den Gottesnamen schmäht.“ (3 Mo 24:16) allerdings nicht allzu weit, z.B. bei der Entsorgung von Gammelfleisch, das für Ausländer allemal gut genug ist: „Ihr dürft keinerlei Aas essen. Du sollst es dem Fremden, der in euren Stadtbereichen Wohnrecht hat, zum Essen überlassen oder es einem Ausländer verkaufen. Denn du bist ein Volk, das dem Herrn, deinem Gott, heilig ist.“ (5 Mo 14:21) Fast prophetisch werden in göttlichen Warnungen NPD-Wahlplakate vorweggenommen: „Der Fremde, der in deiner Mitte wohnt, steigt immer höher nach oben, hoch über dich hinaus, und du steigst immer tiefer hinab […] Er wird zum Kopf und du wirst zum Schwanz.“ (5 Mo 28:43f) „Ja, du hast dein Volk, das Haus Jakob, verstoßen; denn es ist voll von Zauberern und Wahrsagern wie das Volk der Philister und überflutet von Fremden.“ (Jes 2:6) Mischehen mit „fremden Frauen“ sind ohnehin ein Frevel: „wir haben unserem Gott die Treue gebrochen; wir haben fremde Frauen aus der Bevölkerung des Landes geheiratet […] So legt nun vor dem Herrn, dem Gott eurer Väter, ein Bekenntnis ab und tut, was er wünscht: Trennt euch von der Bevölkerung des Landes, insbesondere von den fremden Frauen! […] Alle diese hatten fremde Frauen geheiratet; sie trennten sich nun von ihren Frauen, auch wenn sie von ihnen Kinder hatten.“ (Esr 10:2,11,44) „Und jetzt hört man von euch, dass ihr genau dieselbe Untat begeht und unserem Gott die Treue brecht, indem ihr fremde Frauen heiratet,“ (Neh 13:27), es folgt eine Ausweisung, und „So habe ich das Volk von allem gereinigt, was fremd war.“ (Neh 13:30) usw. Da bleibt nur: „Zahlt es den fremden Völkern heim!“ (1 Mak 2:8) „Gegen einen Ausländer darfst du mit Zwang vorgehen.“ (5 Mo 15:3)
    http://antitheismus.de/archives/202-Weltgebetstag-2013.html

    • Herr Stößer,

      ich denke sie haben da selber nicht das ganze Buch gelesen. Unreflektiert Sätze aus einem Buch zitieren funktioniert in keiner Wissenschaft.

      Die Bibel ist ganz klar für Nächstenliebe und gegen Ausländerhass. Das kann man in der Bibel nachlesen (z.B. bei Jesus aber auch im alten Testament) oder ganz praktisch bei den Christen im Alltag beobachten.

      • Zum gelebten Christentum gibt es interessante soziologische Studien, die belegen, dass Nichtreligiöse weniger rassistisch, weniger sexistisch, weniger homophob und weniger xenophob sind und möglicherweise mehr zum sozialen Frieden beitragen als die Gläubigen (Soziologieprofessor Sandro Cattacin, „Der Bund“ 11.3.06).

      • Ach ja, die üblichen Ausreden; schon klar, Jesus hat die Autobahn gebaut. Blöd, dass er (mal davon abgesehen, dass er fiktiv ist wie der Joker oder Mickey Mouse) laut seinen Ghostwritern, also laut Bibeln, „das Gesetz“ (Pentateuch, inklusive beispielsweise Homosexuellentötungsgebot http://achim-stoesser.de/atheismus/faq.html#FrageHHTG) explizit bestätigt hat http://achim-stoesser.de/atheismus/faq.html#FrageGesetzBest und ein typischer Hassprediger http://antitheismus.de/archives/16-Jesus-predigt-Hass-und-Gewalt.html ist.

        Tja, ich habe nicht nur eine ganze Bibel gelesen, sondern mehr als eine (schließlich unterscheiden sie sich von Sekte zu Sekte massiv, was den einen eine Einhorn ist, ist den anderen ein Rind, der Satyr hier ist dort ein Feldgeist usw.; bei den Protestanten fehlen ganze Bücher, die zu den Bibeln der Katholiken zählen etc.). Sprich, im Gegensatz zum Gros der Christen weiß ich, was da so drin steht.

        Und was die Christen im Alltag angeht, da muss ich mir ja nur Pegida & Co (mit diversen explizit christlichen Führungspersönlcihkeiten) ansehen: http://antitheismus.de/archives/208-Es-gibt-keinen-Weihnachtsmann.html (von der Geschichte, sei es Hitler http://tierrechtsforen.de/mein-kampf oder die diversen anderen Religionskriege und -massenmorde ganz zu schweigen).

        Klar gibt’s Christen, die entgegen biblischen Anweisungen „Gottes“ keine Hexen ermorden oder ungehorsame Söhne oder vergewaltigte Mädchen steinigen http://achim-stoesser.de/atheismus/faq.html#FrageHhtgVergewaltigung. Aufgrund der Selbstwidersprüchlichkeit *kann* keiner sich an jedes „Gebot“ halten. Wie immer gilt die Faustregel: je weniger ein Gläubiger sich an seine Religion hält, desto besser.

        Also: einfach mal jemanden fragen, der was davon versteht.

    • Diese Zusammenstellung ist zynisch. Vielmehr müsste man sich fragen, warum haben wir die Leute nicht als Mitglieder „halten“ können? Sind wir dienstleistungsorientiert? Oder halten wir das Birkenstock-Image hoch? Kirche, Kirchgemeinden haben sehr viel Potenzial, mit ihren Leistungen in Pfarramt und Diakonie. Doch es beginnt mit der Haltung der Mitarbeitenden, mit den Angeboten (zeitgemäss, fröhlich – oder das Gleiche wie 1985….). Daher wäre es viel spannender, sich diesen Fragen zu widmen: wohin gehen wir mit unserem wertvollen Auftrag? Wie präsent sind wir und wie? Entsprechen unsere Angebote den Bedürfnissen der Mitglieder oder den Bedürfnissen der Mitarbeiter?

  11. Wenn Ich auch kein Kirchgängerweltmeister bin stehe ich hinter meiner Kirche! Platz 5 und Platz 5 finde ich am besten kommentiert. Leider ist hier ein kleiner Aufzählungsfehler passiert.Noch ein Platz mehr und es wäre den 10 Geboten ähnlich gewesen!
    Alles in allem ein super Einfall, und erst noch am richtigen Ort platziert! Hoffentlich wird es von vielen so genau gelesen wie von mir!

  12. Liebe Corinne
    Danke für diesen Artikel, den du zu einem aktuellen Thema unserer Landeskirchen verfasst hast. Ich habe beim Lesen schmunzeln müssen, da auch ich solche Kirchenaustrittsschreiben bekomme. Obwohl viele Austrittswillige ausdrücklich wünschen, sie möchten vom Pfarramt nicht kontaktiert werden, gehe ich trotzdem zu allen Menschen hin, welche die Kirche verlassen wollen. Ich bedanke mich stets sehr freundlich für die bisherige (oft jahrelange) finanzielle Unterstützung, verabschiede mich von ihnen, wünsche alles Gute für die Zukunft und lade sie ein, später wieder bei der Kirche anzuklopfen und einzutreten, falls sich ihre Sicht ändern sollte. Dies kommt bei den allermeisten Ausgetretenen gut an. Sie sind oft verblüfft über die bewusst zuvorkommende Art des Pfarrers beim „Austrittsgespräch“.
    Mit nochmaligem Dank für deine wichtigen und anregenden Gedanken und mit frohen Grüssen Hans Zaugg, Pfarrer in Oberdiessbach BE

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