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Beten wie ein Profi?

Foto: Beten wie ein Profi?

Wie betet man eigentlich richtig? Diese Fragen wird mir als Pfarrerin gelegentlich gestellt, in der Annahme, dass ich als „Fachfrau“ es schliesslich wissen müsste.

Tja….RICHTIG beten?

Wäre ich noch eine kecke Sechsjährige, so würde mir die Antwort sehr leicht fallen: so wie Don Camillo natürlich! Ich liebte damals Fernandel in seiner Paraderolle als kauziger Priester, der wunderbare Dialoge mit dem Gekreuzigten führte. Jahrelang grüsste ich bei jedem Kruzifix Jesus mit einem Augenzwinkern.

Meine Mutter betete jeden Abend mit uns Kindern vor dem „Gute-Nacht-Kuss“ – es war ein kleines Gebet aus der christlichen Tradition, das ich später auch mit meiner Tochter betete. Mit der Zeit hatte ich als Kind dann angefangen, frei zu beten und dabei den ganzen Tag nochmals Revue passieren zu lassen. Meine Mutter sprach dann mit der Zeit immer ein energisches „Amen“, damit ich endlich aufhörte. (War nämlich ein guter Trick, das Schlafen etwas hinauszuzögern…)

Auch meine katholische Grossmutter betete viel mit mir – kniend am Bettrand. Das gefiel mir als Kind sehr gut. Die Innigkeit mit der Grossmutter und die Innigkeit mit Gott.

Als Jugendliche hatte ich Mühe mit den klassischen Gebeten. Das Unser Vater verstand ich irgendwie nicht. Und so machte ich stundenlange Spaziergänge durch Wiesen und Wälder und sprach mit der Schöpfung. Ich fand Gott in jeder Wolke und in jedem Grashalm. Und er hörte zu. Mein Herz war nach einem solchen Spaziergang immer leichter und zufriedener.

Als junge Frau entdeckte ich dann den Tanz. Bei einer Diakonisse lernte ich Psalmen tänzerisch auszudrücken. Worte, Geste, Atmung und Körperhaltung wurden für mich wichtig, und ich lernte damit innerlich still zu werden und mich ganz auf Gott und Jesus einzulassen. In Dialog zu treten.

A propos „Dialog“: Das gemeinsame, laute Gebet fiel mir lange schwer. Es war mir unangenehm und peinlich, dass menschliche Ohren meine innigsten Gedanken und Gefühle hören sollten. Mittlerweile habe ich aber in dieser gemeinschaftliche Form des Gebets das Gehaltensein und die Geborgenheit entdeckt und fühle mich wohl dabei. Und auch das Unser Vater habe ich wieder entdeckt, als kostbaren Schatz, der auch von meinem Leben erzählt.

Als berufstätige Mutter mit einem Kleinkind war ich während des Tages oft so im Stress, dass das Beten seinen Platz verlor, und am Abend war ich oft viel zu müde zum beten. Da musste ein Stossseufzer aus tiefstem Herzen genügen. Bis ich schliesslich anfing, beim Kochen oder Bügeln meine Dialoge mit Gott zu führen.

So änderte sich meine Art zu beten im Laufe meines Lebens immer wieder. Welche Form ist aber die Richtige? Was ist also richtiges Beten? Ein freies oder ein vorgedrucktes Gebet? Leise oder laut? Alleine oder gemeinsam? In der Kirche oder im Wald?

Keine Ahnung! Zumindest bezweifle ich stark, dass es eine falsche Art zum Beten gibt. Wenn man innerlich ruhig wird und das Herz überquillt, dann findet jede Form des Gebets Gehör!

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2 Kommentare

  1. Ich bete, also bin ich… Oder wie war das gleich? Was ich einfach noch weiss: Als ich mich als Jugendliche (unterdessen bald im AHV-Alter) dem Glauben zuwandte und Gott im Gebet als Gegenüber erlebte, da empfand ich das Leben davor als ein dahin Vegetieren, aber jetzt lebe ich! Wenn ich wirklich mit meinem Schöpfer in Kontakt treten will, gibt es in meinen Augen kein falsches Beten.

  2. keine falsche art zu beten? da habe ich an zwei kriegsherren gedacht, die beide um den sieg ihrer armee bitten. was kriegsherren genau beten, weiss ich nicht. aber wenn sie um die vernichtung ihrer feinde bitten, wie das auch in den psalmen vorkommt? wenn betende selbst von der vernichtung bedroht sind oder sehen, wie andere, auch tiere und pflanzen, vernichtet werden, werden wir verständnis haben. aber trotzdem: die meinung der theologischen tradition, die wir vielleicht nicht in jeder hinsicht übernehmen können, ist, dass der sohn vom zorn des vaters getroffen worden ist, und dass für uns, das heisst auch für unsere feinde, darum die alternative todesstrafe möglich ist, die verwandlung durch den tod während des lebens. einer ist gestorben, darum sind alle gestorben (paulus) – das ist auch nicht ohne einfluss auf das gebet. „wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die heuchler…kein unnützes geschwätz“ (bergpredigt) – und ich muss gestehen, dass die alternative, die jesus bringt, mich für unsere zeit nicht in jeder hinsicht überzeugt: alles, was ein sohn ist, ist er durch seinen vater, war damals die selbstverständliche lebensauffassung. wo bleibt da die mutter? wo bleibt da die tochter? wo bleibt das ausserfamiliäre? haben nicht viele ein problem mit dem gebet, weil etwas unmündig entmündigendes darin ist? dazu kommt der auch nicht in jeder hinsicht zurückzuweisende gedanke der wirkungslosigkeit des gebets, wenn man bedenkt, wie sehr die welt bleibt, wie sie ist. der letzte abschnitt enthält ja auch ein „wenn“. und so kann ich schon eher zustimmen. aber eine knieschädigung auf der gebetsbank kann man sich so trotzdem zuziehen: ruhig wird man nämlich manchmal gerade dann, wenn das psychische auf das somatische verschoben wird. aber Sie denken wahrscheinlich an den frieden, das kennzeichen des heiligen geistes, der – in unserem sprachraum auch bestandteil des zu maskulinen, aber den wahrheitsgehalt möchte ich nicht übersehen – das gebet ermöglicht.

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