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„Chasch nöd grad mit em Orgasmus afange“

Foto: „Chasch nöd grad mit em Orgasmus afange“

Weihnachtstrilogie Teil III

Als Gastroseelsorgerin, (Seelsorgerin für Wirte und ihre Angestellten) verschlägt mich mein beruflicher Auftrag öppe mal in ein Restaurant oder eine Beiz. Letzthin spielte sich kurz nach dem 1. Advent bei einem Wirtebesuch folgende Szene ab: Ich sass mit ein paar Wirten am Tisch, Thema war die weihnachtliche Dekoration im Restaurant. Sie war sehr geschmackvoll und zeugte von einer talentierten Urheberin. Der Wirt meinte, dass er diesmal wirklich Glück hatte mit der Serviceangestellten, die nicht nur Freude an ihrem Beruf hatte, sondern auch bemüht war, dass das Ambiente im Restaurant stimmte. Ein Blick an die Wand, die gekonnt mit Tannengrün und roten Weihnachtskugeln geschmückt war, bestätigten dies sofort. Ebenso die Tischdekoration mit Kerzen, welche praktisch und gleichzeitig sehr schön anzusehen war. Der Wirt war voll des Lobes über seine Angestellte. Einzig ihren Überschwang, von Anfang an voll aufs Ganze zu gehen und das Restaurant gleich mit der kompletten Krippe und der vollen Ladung Weihnachtsdeko zu überfluten, hätte er dann doch bremsen müssen. Mit den Worten „Du chasch doch nöd grad mit em Orgasmus afange“, hiess er sie, die Krippe wieder zu versorgen. „Da muss eine Steigerung drin sein“, habe er ihr erklärt, „bis zu Weihnachten. Immer etwas mehr und am Schluss das Grande Finale mit allem.“

Ja, stimmt, dachte ich. Wir beginnen die Adventszeit meist mit der vollen Dröhnung von allem, was es in dieser Zeit so gibt: Das ganze Guetzlisortiment, die volle Weihnachtsdeko drinnen, die totale Weihnachtsbeleuchtung draussen und Schokoladenberge vom Anfang bis zum Schluss, – zu viel von allem, vier Wochen und noch mehr, um dann erschöpft am Abend des 24. froh zu sein, dass nun endlich alles durch ist. Man sehnt sich nur noch ein paar ruhigen Tagen ohne all das, was die letzten Wochen war.

Dabei wäre gerade der 24. Dezember der Höhepunkt der Freude, von der man die nächsten Tage und Wochen zehren könnte.

Mir gefällt der Vergleich des Wirtes: Eine schöne Adventszeit ist doch wie guter Sex. Der beginnt auch nicht gleich mit dem Orgasmus. Genauso braucht auch Weihnachten sein Vorspiel in der Adventszeit, den leisen Anfang mit einer Steigerung bis zum Schluss. So dass der Schluss eben wirklich orgastisch ist und nicht ein coitus interruptus kurz vor Schluss, weil man einfach nicht mehr kann.

Sehen sie die Gemeinsamkeit zwischen einer gelungenen Adventszeit und gutem Sex auch? Sich mit allen Sinnen hingeben, in das, was einem geschenkt wird?

Möge Weihnachten ein Fest für alle unsere Sinne sein. Ein Fest an dem wir mit Geist, Seele und Körper verstehen, dass Gott uns und diese Welt liebt. Ein Fest, an dem er uns ermächtigt seine Liebe auf unterschiedliche Arten weiterzugeben.

Ob der Sprayer an der Pauluskirche in Bern seine Botschaft in diesem Geist verstand, weiss ich nicht mit Sicherheit, aber vielleicht?

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8 Kommentare

  1. Ein schöner Text, der mich erquickt, gleich nach dem Aufstehen, an diesem wunderbaren, gesegneten zweiten Weihnachtsfeiertag im Jahre des Herrn 2014. Was mich auch interessieren würde: kriegt man eigentlich auch immer Speis und Trank in Deinem Job, sozusagen „für Gotteslohn“? 😀 Cheers! Pete.

  2. Ein gelungener Text, liebe Corinne. Sehr offenherzig und brachte mich zum Schmunzeln 🙂 Aber könnte man nicht auch die ersten Monate des Jahres (Januar-August) als das Vorspiel ansehen? September wäre der Oralsex, Oktober-November wäre der Sex, Dezember die Schwangerschaft und Weihnachten die Geburt des Kindes. Ein Höhepunkt der besonderen Art, sozusagen… naja… aber ich weiss selber nicht, ob solche Vergleiche etwas bringen 😉

  3. Wow Corinne, jetzt hat es mir doch glatt die Sprache verschlagen. Ob ich die Gemeinsamkeit der Weihnachtszeit mit gutem Sex sehe? Das möchte ich ganz und gar nicht. Muss denn wirklich alles mit Sex in Verbindung gebracht werden, sogar die Weihnachtszeit? Wow, bin immer noch sprachlos.

    • nein nein olivia, ich finde gar nicht, dass alles mit sex in verbindung gebracht werden muss. aber ich finde es schade, dass weihnachten selten etwas lustvolles an sich hat, weil es einfach so stressig ist… aber da muss gar nicht unbedingt der sex als vergleich dazu dienen, es können andere dinge sein, die als symbol für lust, lebensfreude und lebenskraft sind. sex ist einfach eine möglichkeit, die ich grad sehr witzig fand.

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