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Countdown Kalender

Foto: Countdown Kalender

Warum feiern wir eigentlich Advent? Wenn man sich die Adventskalender anschaut, die man so kaufen kann, dann drängt sich diese Frage auf!

In diesem Jahr bin ich nämlich nicht aus dem Staunen herausgekommen. Mein Adventskalender war bis dato immer ein romantischer, nostalgischer Kalender, mit einem Motiv aus der Weihnachtszeit. Etwas Goldstaub und kleine Fensterchen, die hübsche Bilder verstecken – fertig ist die tägliche Weihnachtsvorfreude. Die Motive haben sich mit der Zeit erweitert, nebst der klassischen Krippe sieht man auch Engel in ihrer Backstube oder kuschelige Bären, die den Christbaum dekorieren. Adventskalender mit dem amerikanischen Santa Claus werden bei uns auch immer beliebter. Obwohl der Weihnachtsmann langsam aber sicher sowohl das Christkind wie auch den Santiklaus verdrängt, ist für mich dieses Motiv auf einem Adventskalender durchaus o. k.

Ich kann sogar gut damit leben, dass es hinter den Türchen vom Adventskalender nicht unbedingt nur Bildchen haben muss, sondern als süsse Variante Schokolade.

Bei Adventskalender mit Playmobilfigürchen, Barbieutensilien und ähnlichem, verdrehe ich schon langsam die Augen. Das finde ich übertrieben.

Wo mir aber jegliches Verständnis abhanden kommt, das sind die Kalender – zum Beispiel von Milka – die schon gar nicht ein Adventskalender sein wollen, sondern den Countdown zur grossen Geschenkpapierorgie ankündigen! Da hat sich nämlich die „Lila Kuh“ etwas vertan, als das Marketing ihr Schokoladenprodukt als Weihnachtscountdown mit digitalem Inhalt vermarktet hat. Auch andere Kalender bemühen sich nicht um einen weihnachtliches oder wenigstens winterliches Sujet, sondern bieten einfach ihre üblichen Produkte – meistens Spielzeug – in 24 Einzelteile an. Dabei werden Themen von Star Wars, Herr der Ringe, Fussball oder Ähnliches etwas weihnachtlichen aufgemotzt und feilgeboten. Insofern ist Milka wenigstens ehrlich, wenn sie ihr Produkt nicht als Adventskalender anpreist sondern als Countdown durch den Dezember. Wobei das Ziel dieses countdowns durchaus auch ein anderes Fest oder einen anderen Anlass sein könnte.

Aber der absolute Tiefpunkt in der Welt der Adventskalender, steht bei uns im Kinderzimmer. Nach Jahren von „Bildchen-Kalender“ habe ich mich von meiner Tochter erweichen lassen, einen Kalender mit „Inhalt“ zu besorgen. Mir schwebte ehrlich gesagt eine Variante mit Schokolade oder mit Weihnachtsliederbüchlein vor. Zielsicher lotste mich aber meine Tochter in das Spielwarengeschäft des Dorfes und präsentierte mir ihren Traum von Adventskalender: Monster high. Das ist die Grusel Variante der Barbiepuppe. Auf der Frontseite dieses Kalenders, tummeln sich gestylte Zombies, Mumien und Vampire. Hinter den Türchen findet man morbide Nagelfeilen in Schädelform, Gespenster Glamour Glitzer für den Körper oder Vampir Gloss für die Lippen. Den schwarzen Nagellack nicht zu vergessen! Ich finde, meine Tochter darf es mir hoch anrechnen, dass ich keinen hysterischen Anfall bekommen und ihr keine Gardinenpredigt gehalten habe. Sondern ich habe brav das Portemonnaie gezückt und ohne mit der Wimper zu zucken ihr die gewünschte Scheusslichkeit gekauft. Im Fall meiner Tochter, kann ich das mit gutem Gewissen machen. Sie hat eine lebenslange Karriere von Krippenspielen hinter sich, an jedem Sonntag im Advent gibt es am späten Nachmittag Tee und Weihnachtslieder serviert, die mit Christstollen und einer Adventsgeschichte begleitet werden. Sie weiss also, um was es in der Adventszeit und an Weihnachten geht.

Dennoch habe ich Mühe mit der Entwicklung, die in der Adventskalenderlandschaft geschieht. Was passiert mit unserer Kultur, wenn wir unsere Traditionen einfach so dem Konsum und der Belanglosigkeit opfert?

 

 

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