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Das Elend der Flüchtlinge fordert auch die Kirchen

Das Elend der Flüchtlinge, welche die gefährliche Reise über das Mitteleer wagen, erschüttert mich zutiefst. Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, dass er diese unmenschlichen Strapazen und tödlichen Gefahren auf sich nimmt? Wie erschreckend müssen seine Lebensperspektiven sein, wenn der letzte dünne Strohhalm der Hoffnung die Festung Europa ist, die sich mit Abschreckung und Stacheldraht gegen den Zustrom der Flüchtlinge wehrt? Alles, was einem bevorstehen kann – ja selbst der Tod – erscheinen besser als das, was man zurücklässt.
Die Bilder in den Nachrichten von der Bergung Ertrunkener rauben mir den Schlaf. Sie erfüllen mich mit Betroffenheit und Scham.
Was ich hier sehe, geht mich etwas an. Es geht mich nicht nur als Bürger oder als Kirchenratspräsident, sondern einfach als Mensch und als Christ etwas an. Zucke ich mit den Schultern und hoffe, dass es bald besser wird? Hoffe ich, dass die überlebenden Flüchtlinge nicht in die Schweiz kommen und wenn, dann nicht in mein Dorf?

Wir sind in der Kirche zwar nicht völlig untätig. Viele Menschen, Mitarbeitende und Freiwillige in der Kirche, engagieren sich in der eigenen Gemeinde. Kirchgemeinden stellen Räume zur Verfügung. Die kirchlichen Hilfswerke engagieren sich in der Nothilfe in den Herkunftsländern oder in der Integration von Asylsuchenden und anerkannten Flüchtlingen hier in der Schweiz. Seelsorgende der Kirchen sind in Empfangs- und Durchgangszentren für Flüchtlinge da. Viele Menschen in unserem Kanton spenden für Flüchtlinge, engagieren sich an vielen anderen Orten, zum Beispiel im Verein Netzwerk Asyl Aargau.

Aber die Not hat inzwischen ein Ausmass erreicht, das noch mehr von uns verlangt. Noch einmal rufe ich Kirchgemeinden auf, zu prüfen, ob ungenutzte oder unternutzte Liegenschaften vorübergehend oder auch längerfristig für die Aufnahme von Flüchtlingen verwendet werden könnten.

Ich rufe Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Mitglieder unserer Kirchgemeinden dazu auf, sich nach ihren Möglichkeiten für die Aufnahme von Flüchtlingen in ihrem Dorf, ihrer Stadt, im Kanton oder in unserem Land zu engagieren. Damit ändert sich an den Ursachen der Flucht noch gar nichts. Das liegt zum grossen Teil ausserhalb unserer unmittelbaren Möglichkeiten. Aber es gehört zu unserem innersten Auftrag als Christinnen und Christen, im Geist des Evangeliums für Menschen da zu sein, deren Not grösser ist, als es sich die meisten von uns vorstellen können.

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