Beitragslink

Das Unheil begann, als nachts die Glocken schwiegen

Foto: Das Unheil begann, als nachts die Glocken schwiegen

Vor drei Jahren stellten wir den nächtlichen Glockenschlag ab. Und zwar ganz. Von 22 bis 6 Uhr.

Damit begann das Unheil.

Zuerst verzogen sich die Fledermäuse.

Dann stand um fünf nach zwölf die Uhr still. Am folgenden Mittwoch krachten die Kirchenbänke in der vierten Reihe mit lautem Getöse zusammen. Zwei Mäuse verletzten sich.

In der Nacht auf Samstag verweigerten die Toiletten ihren Dienst. Ohne Glockenschlag wollten sie nicht mehr spülen, gaben sie zu Protokoll.

Die Predigt am Sonntag war leer und nichtssagend.

Eine Woche später fiel die Lektorin aus. Sie wurde krank. Der Pfarrer weigerte sich, aus der Bibel vorzulesen. Der Organist schlief aus.

Der geplante Familiengottesdienst wurde abgesagt. Den Kindern sei die Lust vergangen. Der Erntedankgottesdienst auch. Die Ernte war zu mager.

Weihnachten ging vergessen. Der Pfarrer machte Ferien auf den Malediven. Die Diakonin schaute fern. Der Rest der Kirchenleitung auch.

Niemand fragte mehr nach Abendmahl, Taufe, Hochzeit oder Trost.

Der Letzte trat aus der Kirche aus.

Und das alles nur, weil wir nachts den Glockenschlag abstellten.

 

PS: Wer wissen will, was wirklich geschah, schaut unter www.kirche-oftringen.ch

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (4)
  • berührend (1)
  • lustig (18)
  • nachdenklich (6)
  • wichtig (1)
  • fragwürdig (2)
  • langweilig (1)

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.