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Das tägliche Wunder

«Ich preise dich, dass ich so herrlich, so wunderbar geschaffen bin; wunderbar sind deine Werke, meine Seele weiss dies wohl.»
Ps. 139,14

Zwei Mal war ich im vergangenen Jahr krank. Das erste Mal, als ich im Frühjahr für zwei Tage zur Weiterbildung ins Kloster Kappel gefahren war. Kaum dort angekommen, fühlte ich mich schwach, bekam Kopfschmerzen und Fieber. Anstatt mich wie erhofft über Zwingli und seine Reformation weiterzubilden, dämmerte ich zwischen Schüttelfrösten und Schweissausbrüchen vor mich hin. «Typisch» dachte ich mir: «Kaum weg aus dem normalen Arbeitsalltag, und der Körper fordert seinen Tribut».

Das zweite Mal wartete der Körper nicht auf ein paar entspanntere Tage. Anfang Dezember traf es mich, als Mitarbeitergespräche, Geschäftsleitungssitzung, Kommissionssitzungen, der Besuch eines Dekanatskapitels, zwei öffentliche Auftritte und Weiteres mehr auf der Agenda standen. Da lag ich nun erneut im Bett, wieder zwischen fiebriger Hitze und ebensolcher Kälte oberflächlich dösend, diesmal mit einer so genannt «atypischen» Lungenentzündung. Ich spürte meine schmerzenden Glieder, das Grummeln des mitleidenden Darms, das Rasseln der Bronchien, den Herzschlag, der im Kopf hämmerte.

Ich erzähle das nicht, weil ich Ihr Erbarmen suche. Vielmehr möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken: Abgesehen davon, dass mir wieder einmal bewusst wurde, wie privilegiert wir sind, in einer Zeit und an einem Ort zu leben, wo zwanzig Antibiotikapillen einer Lungenentzündung Einhalt gebieten, nehme ich eine wichtige Erkenntnis mit ins neue Jahr: Warte nicht, bis Du krank bist, um Dich einmal einfach hinzulegen und Gott zu danken für das Wunder, das er geschaffen hat: Füsse, die Dich tragen. Hände, die Dir bedingungslos dienen. Beine, Arme, Muskeln und Gelenke. Den Kopf und Deine Fähigkeiten wahrzunehmen und zu denken. Mund, Magen und Verdauung. Atem und Herzschlag. Alles erscheint uns zu selbstverständlich, wenn wir nicht zwischendurch bewusst innehalten, unseren Körper von den Zehen- bis zu den Haarspitzen erspüren und Gott dafür danken. Meine ganz persönliche Hoffnung ist die, dass daraus die Kraft wachsen kann, mögliches, unabwendbares Leiden dereinst gefasster zu ertragen.

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1 Kommentar

  1. Die Erkenntniss das Gesund sein ein Geschenk ist, kommt immer dann, wenn wir Krank sind.

    Aber dieses Phänomen von Rast & Krankheit kennen wir wohl alle 🙂 Darum macht es sinn vor den geplanten Ferien bereits ein paar Gänge runter zu schalten. Damit man die erholsamen Tage dann nicht mit einer Grippe verbringt.

    Herzliche Grüsse

    Monah

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