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Der aus Scheisse Dünger macht – Noah und seine Tiere

Foto: Der aus Scheisse Dünger macht – Noah und seine Tiere

Sie kennen die Geschichte von Noah. Das ist der mit den vielen Tieren auf einem grossen Boot und dem Regenbogen. Eigentlich eine schöne Geschichte, die man den Kindern gerne erzählt: Wie Noah die Arche baut, all die vielen tollen Tiere einlädt und dann am Schluss der Regenbogen. So romantisch! Und – ach ja – die Sintflut war da ja auch noch, fast vergessen, mit der Gott die ganze Menschheit dahin raffte. Ausser Noah und seine Familie, die einzig Überlebenden. By the way.

Ich sass kürzlich mit den Katechetinnen zusammen (die Kinder in Religion unterrichten), um besagte Geschichte für einen Familiengottesdienst vorzubereiten. Dabei stosse ich an meine Grenzen: Wie kann man von einem Gott erzählen, der eben mal die ganze Menschheit auslöscht und danach findet: „Ach, das war doch keine so gute Idee, ich mach’s nicht wieder, darum setzte ich Regenbogen an den Himmel, damit ich das nicht vergesse“…? WTF? Wie kann man so was Kindern erzählen?

Eine Katechetin intervenierte auf mein Veto und meinte, dass Kinder mit krassen Geschichten besser klar kommen als wir Erwachsenen und oft eine Erklärung für das Unerklärliche finden. Als sie zum Beispiel mit den Schülern das Leben auf der Arche unter die Lupe nahm, kamen die Schülerinnen schnell darauf, dass sich hier in den 40 Tagen auf der Arche‚ ne Menge Scheisse von den Tieren ansammelte, und sie überlegten, wie Noah das wohl löste: Ganz klar mit einem Riesenrohr, das mitten ins Meer führte und die ganze Scheisse dort ablud! Ein Kind  protestierte aber gegen diese Idee: Das sei ja Wasserverschmutzung, wenn so viel Kacke von so vielen Tieren einfach ins Meer gekippt würde. Ein anderer Schüler meinte dazu: „Ja weisst du, Gott hat dann aus der ganzen Scheisse der Tiere Dünger für die Erde gemacht. Und darum ist nach der Sintflut die Erde gedüngt gewesen.“ Und das war dann die Erkenntnis, die sie alle aus dem Unterricht mitnahmen: „Gott kann aus Scheisse Dünger machen!“ Und diese Einsicht verlieh der ganzen Geschichte einen neuen Geruch… nein: Glanz.

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6 Kommentare

  1. aber die erklärung für das unerklärliche haben sie doch gar nicht gefunden. man könnte auch sagen, der ruhetag war zu früh, die schöpfung war noch gar nicht gut. oder er hätte zur überlegung dienen können: wie weiter? damit erde nicht wie neulich mars zurückgerufen werden muss. meine antwort: theologie als metaphorische sprache, in der jedes bild hinkt, und die identifikation von gott und universum.

    • eine gute antwort, die gefällt mir. ja vielleicht wäre passenender gewesen zu schreiben: „umgang mit dem unerklärlichen“. und eine eigene interpretation dafür finden.

      • eher das umgehen des unerklärlichen – aber ich würde voll auf dieser arche mitfahren und beim mist austragen helfen

  2. Béatrice Eggenschwiler 6. März 2016 um 12:28 Antworten

    Liebe Corinne
    genauso erlebe ich meine 1. und 2. Klässler auch. Darum liebe ich es Unterstufe zu unterrichten, die kids sind noch so offen, unverkrampft und erfrischend. Ich freu mich jetzt schon auf Deinen nächsten blog.
    Herzlichst, Béatrice aus Ennetbaden

  3. Liebe Corinne
    Niemand schreibt so frisch und lustig über die teilweise sehr verstaubte Bibel! Weiter so!!
    Liebe Grüsse von deinem grössten Fan

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