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Der Glaube ist kein Wettkampf – zur Jahreslosung 2014

Mein Glück aber ist es, Gott nahe zu sein, Psalm 73, 28

Die Feststellung, die Nähe zu Gott sei das Glück eines Menschen, ist verführerisch. Einerseits könnte sie glauben machen, dass ein frommer Mensch nach Gottes Nähe zu streben habe, und sich glücklich preisen dürfe, wenn er oder sie «es geschafft» habe. Da kommen mir Jugendliche in den Sinn, die sich durch eine Menschenmenge zu ihrem Idol vorkämpfen oder Menschen, die stundenlang auf den Papst, auf einen Präsidenten, oder einen Prominenten warten, nur um der verehrten Person für einen Augenblick nahe zu sein und einen kleinen Moment des Glücks zu erleben. Ein verwackeltes Handyfoto konserviert dieses Glück für alle Zeiten.
Doch Gott ist kein Superstar. Der Glaube ist kein Wettkampf, bei dem es gilt, sich einen Platz möglichst nah bei Gott zu erkämpfen. Was Jesus davon hielt, lesen wir zum Beispiel im Matthäusevangelium 20,20 ff, wo eine Mutter sich für ihre beiden Söhne einen Platz neben Christus im Himmelreich wünscht.
Andererseits könnte die Überzeugung, die Nähe zu Gott sei Inbegriff des Glücks, zum Fehlschluss verleiten, Glück sei der Ausdruck der Gottesnähe und umgekehrt: Unglück deute auf Gottesferne hin. Genau dieser Frage widmet sich der Psalm 73, dessen Schluss die Jahreslosung  2014 bildet. Der Psalmbeter ärgert sich zunächst über den Umstand, dass es den Gottlosen gut geht, während er selber darben muss. Neid zerfrisst seine Nieren. Und endlich, nach langem innerem Kampf, kommt er zum Schluss, dass es nicht sinnvoll ist, durch Neid das scheinbare Glück der Gottlosen zum eigenen Unglück zu machen. Das Glück eines Menschen ist es, Gott nahe zu sein; und diese Art von Glück steht weit über der Frage nach irdischem Glück und Unglück.

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2 Kommentare

  1. „Wenn ich auch gleich nichts fühle, von deiner Macht, Du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht“ (3. Stophe aus „So nimm denn meine Hände“)… ist es das: Gott ist immer nahe, egal wo ich bin? Oder ist es: wer ist wem nahe – Gott mir oder ich ihm… und was ist daran wohld er Unterschied? Danke Christoph fürs nachdenklich stimmen!

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