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Der Holzfäller und seine Axt

Ich habs mit den Geschichten, die mir zwischen den Zeilen zeigen, wer ich und wie ich bin. Und die mir Mut machen, anders zu werden und achtsamer zu sein – mit mir und anderen. Das ist eine dieser Geschichten:

Ein Holzfäller auf der Suche nach Arbeit spricht in einem Holzverarbeitungsunternehmen vor. Der Lohn ist in Ordnung, die Arbeitsbedingungen erfreulich. Er kommt in die Probezeit und will sofort einen guten Eindruck hinterlassen. Am ersten Tag gibt ihm der Vorgesetzte eine Axt und zeigt ihm den Bereich im Wald mit den Bäumen, die es zu fällen gilt. Begeistert macht  der Holzfäller sich an die Arbeit. Achtzehn Bäume fallen an diesem Tag. „Glückwunsch“, sagt der Chef. Das gibt dem Holzfäller Energie, sodass er beschliesst am nächsten Tag noch ein paar Bäume zuzulegen. Er geht früh zu Bett und steht am nächsten Morgen vor allen anderen im Wald. Trotz aller Anstrengung fallen nur fünfzehn Bäume. „Ich muss müde gewesen sein“ sagte der Holzfäller zu sich. Er geht noch früher zu Bett und sagt in der Früh: Heute übertreffe ich die Marke von achtzehn Bäumen. Doch er schafft nicht einmal die Hälfte. Dann sind es noch sieben Bäume, schliesslich fünf. Am letzten Tag braucht er acht Stunden für zwei Bäume. Er wird zum Chef gerufen. Es geht um die endgültige Anstellung. Dem Holzfäller ist klar: Das wird nichts. Schlimm ist, er weiss nicht, woran es liegt. Er hat sein Bestes gegeben. Der Chef aber hat das gesehen. Er hört dem Holzfäller zu. Am Schluss sagt der Chef – und es lag Mitleid in seiner Stimme: Sie sind eingestellt. Aber: Wann haben Sie das letzte Mal die Axt geschliffen?“

 

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Verfasst von Burkhard Kremer

Pfarrer in Zofingen - verliebt, verlobt, verheiratet – Vater, Bus-Chauffeur, Hobbyschreiner, Velofahrer, Geschichtensammler

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