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Der Januar riecht nach Kreuzkümmel – oder: wie riechen eigentlich unsere Kirchen?

Foto: Der Januar riecht nach Kreuzkümmel – oder: wie riechen eigentlich unsere Kirchen?

„Buärk…das stinkt…“ – das ist die typische Reaktion meiner Schülerinnen und Schüler, wenn wir – im Rahmen des Unterrichtes – bei der katholischen Kirche zu Gast sind und der Pfarrer ihnen das Weihrauchgefäss vorführt und sie tüchtig in die Wolken des duftenden Harzes einnebelt.
Ich verstehe eigentlich nicht so ganz, warum vielen Menschen den Geruch von Weihrauch als unangenehm empfinden. Vor allem dann nicht, wenn die gleichen Menschen fröhlich für Raucherstäbchen schwärmen und ihr Jugendzimmer immer wieder damit einhüllen.
Für mich riecht Weihrauch immer noch nach Kindheit und Kirche. Damals habe ich in Kinshasa (Kongo) eine italienische Schule besucht, und zu hohen Feiertagen ging es dann in die Kirche. Dort wurde mit viel Weihrauch gearbeitet. Der weiche und würzige Geruch füllte die ganze Kirche und das leise Klingeln der Kette, wenn der Priester das Gefäss hin und her schwang, empfand ich als Kind geradezu verzaubernd.

Bis jetzt erinnert mich Weihrauch an die Kirche und Gottesdienste meiner Kindheit und verleitet mich zu der Frage: Nach was riechen eigentlich reformierte Kirche?
Ich weiss es nicht. Experimentierfreudig bin ich unsere Kirche getreten und habe andächtig und erwartungsvoll geschnuppert.

Nun sie riecht…tja…nach was eigentlich?
Sie riecht nicht muffig oder leer. Sie riecht auch nicht nach Holz oder Putzmittel. Sie riecht auch nicht nach abgestandener Luft oder Halle. Sie riecht auch nicht nach frischer Luft, Regen, Schnee oder Sonne.
Sie riecht – irgendwie – neutral! Nach unserer Kirche eben.

Dabei hat Kirche als Ort der Gemeinschaft für mich viele Düfte.

Im Januar zum Beispiel riecht es im Kirchgemeindehaus nach Kreuzkümmel, Knoblauch und Koriander. Denn wir kochen mit unseren Jugendlichen nach biblischen Rezepten.
Nach dem Senioren Nachmittag riecht es nach Kaffee und Gemütlichkeit.
Wenn wir Zwärgli-Träff haben für die ganz Kleinen, dann riecht es süss und fruchtig nach Babies und Kindern.
Wenn wir mit den Kindern basteln, dann kann man Farbe, Leim und Karton erschnuppern.
Ab und zu riecht es auch angenehm nach „frisch geputzt“.
Der Frühling weht den erdigen Geruch der erwachenden Natur ins Haus.
Und mit Ostern kommt ein feiner Kerzen- und Blütengeruch dazu.

Einmal im Monat duftet es herrlich nach Suppe und Kuchen – wir haben dann einen gemeinsamen Mittagstisch.
Und wenn die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden ihren „kick-off- Anlass haben, dann riecht es nach Teenagern und Bratwürsten.
Im Herbst riecht es nach Blättern und Gemüse.
Der Bazar verführt mit einem rassigen Gulasch-Duft.

In der Adventszeit füllt der würzige Geruch von Tannengrün, Zimt und Vanille unsere Gemäuer.
Ja – so Kirchgemeindehaus bietet eine bunte Palette von herrlichen Dürften und Gerüchen. Nur die Kirche ganz für sich – die riecht nicht.

Oder – vielleicht doch?

Vielleicht muss ich es so sagen: unsere Kirche riecht vielleicht nicht für die Nase. Aber ihr Geruch dringt ins Herz. Und dort riecht sie nach Vertrautheit, nach Heimat, nach Geborgenheit.

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2 Kommentare

  1. Weihrauch ist wirklich ein Geschmack den nicht alle gerne haben.
    In meiner Zeit als Feng Shui Beraterin als ich Räucherungen in Häusern vornahm, kam auch das Thema öfters zur Sprache.

    Daher mische ich gerne etwas Styrax in die Weihrauch-Mischung und dann kommen die positiven Feedbacks von alleine! 🙂

    Herzliche Grüsse

    Monah

    • Nadine Hassler Bütschi 27. Februar 2014 um 19:58 Antworten

      Liebe Monah
      Danke für den Hinweis. Ich kenne Styrax aus der griechisch-orthodoxen Kirche – dort wird es viel benutzt. Ich glaube die Holzkohle wird damit parfümiert…
      Herzliche Grüsse, Nadine

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