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Der Kampf um die Bonbons – oder: was ist das Reich Gottes?

Foto: Der Kampf um die Bonbons – oder: was ist das Reich Gottes?

Das Spiel ist ganz einfach. Es hat zwei Regeln. 1. Es darf niemand verletzt werden. 2. Die Bonbons dürfen erst gegessen werden, wenn ich es erlaube.

Also, da liegen einige Bonbons am Boden. Die  Kinder stehen  fünf Schritte von den Bonbons entfernt, bereit um los zu rennen. Die Regeln sind klar. Achtung, fertig LOS!

Mädchen wie Buben stürzen sich auf die Süssigkeiten. Es ist ein Gedränge und Geschubse. Ein «Aua» hier, ein «He, goht’s no!» da, aber zum Glück, wird niemand verletzt. Einige haben sich mehrere Bonbons gesichert, andere gehen leer aus. Gemeinsam gehen wir in den Schulraum zurück und begutachten wer wie viel ergattert hat. In der Runde sind fröhliche wie enttäuschte Gesichter zu sehen.

Ich frage die Kinder: «Hat euch das Spiel gefallen?»

Die Antwort fällt verschieden aus. «Ja – Nein – es geht so»

Ich frage: «War das Spiel fair?»

Alle Kinder sind sich einig: «Nein, auf keinen Fall!»

Vor dem Spiel habe ich mit ihnen über das Reich Gottes gesprochen. Die Kinder sind der Meinung, dass ein solches Spiel nicht zum Reich Gottes passt. Aber wie müsste dieses Spiel aussehen, damit es dazu passt? Es müsste fair sein, befanden sie. Nach einigem Hin und Her entscheiden die Schülerinnen und Schüler, dass sie alle Bonbons auf einen Haufen legen könnten und ein Kind nach dem andern nimmt jeweils ein Bonbon. Diese Idee sagt allen zu und wird sofort umgesetzt.

Dieses Spiel habe ich schon mit einigen Klassen durchgeführt. Nicht immer ging alles so einfach. Jedes Mal bin ich gespannt, wie die Gruppe reagiert. Es ist auch schon vorgekommen, dass ein Kind erst gar nicht teilen wollte, sondern erst auf Gruppendruck hin seinen süssen Schatz geteilt hat.

Meine Erkenntnis: Das Leben ist nicht fair. Aber wenn wir fair sind, können wir dem Reich Gottes etwas näher kommen.

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6 Kommentare

  1. Vielen Dank für alle Kommentare. Was hat dieses Spiel mit Reich Gottes zu tun? Mit den Schüler und Schülerinnen der 2. Klasse, lerne ich das Vater unser. Dabei haben wir den Satz «Dein Reich komme» etwas intensiver besprochen und überlegt, was es bedeuten könnte, das „Reich Gottes“. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Kinder sich das Reich Gottes wie folgt vorstellen: sehr schön und sauber, liebe Menschen, Frieden. Meine Vorstellung zum Reich Gottes ist: alle haben genug von allem und die die noch mehr haben sind bereit etwas abzugeben und / oder bereichern sich nicht auf Kosten von Ärmeren und Hilflosen. Mit diesem Spiel versuche ich den Kindern auch dies zu vermitteln. Ich habe mich dabei auf den sozialen Aspekt konzentriert, obwohl es noch andere Dimensionen gibt. Ob mir das wirklich gelingt, weiss ich nicht. Aber ich hoffe, dass sie zumindest etwas davon auf ihren Lebensweg mitnehmen.

  2. Gutes Spiel, um die Sozialisation zu fördern. Man ist nicht allein auf der Erde. Alle habe ein Stück Freiheit zu gut.
    Aber was mit dem „Reich Gottes“ zu tun haben soll ist mir schleierhaft.

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