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Der Samichlaus ist Türke

Foto: Der Samichlaus ist Türke
Der Samichlaus im Gottesdienst

Jedes Jahr am 6. Dezember kommt der Samichlaus – das ist für alle Kinder ein festes Datum und für immer mit Erinnerungen besetzt. Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden haben sich für ihren Vorstellungsgottesdienst im Advent als Thema diesen alten Herrn ausgesucht, den sie so gut kennen. Aber als wir anfingen, über die Hintergründe zu sprechen, da merkten sie: wir kennen ihn doch nicht so gut! Dass der Samichlaus eigentlich ein Bischof namens Nikolaus aus dem 4. Jahrhundert war, ja gut, dass ahnten sie vielleicht noch. Dass der Nikolaus aber nicht aus dem hohen Norden kommt oder aus den Schweizer Wäldern, sondern tatsächlich aus Myra, aus der Türkei – da haben die Jugendlichen riesengrosse Augen gemacht! Ich bin mir sicher, das vergessen sie nicht mehr! Es zeigt mir einmal mehr, wie schnell Wissen und Hintergründe verloren gehen können. Und wie auf einmal die ursprüngliche Herkunft eines gut „mitteleuropäischen“ Brauchs hochspannend werden kann in der aktuellen Situation…

Für mich und meinen Mann wurde es bei Vorbereitung der der Predigt spannend mit dem Thema „Kinder und der Samichlaus“. Der Bischof Nikolaus war ein gütiger Mann, der denen gab, die etwas brauchten, ohne Gegenleistung zu erwarten. Im Laufe der Zeit wurde er jedoch zum pädagogischen Zeigefinger. Er wurde zum Samichlaus mit seinem Buch, aus dem er den Kindern ihre „Vergehen“ vorliest und zum Besseren anhält, zusammen mit dem Schmutzli, der den Kindern mit Strafen Angst macht. Das ist doch das Gegenteil dessen, was den Heiligen Nikolaus eigentlich ausgemacht hat – und auch das Gegenteil dessen, was Jesus uns gelehrt hat: Den Kindern gehört das Reich Gottes! Aber auch mit der Wertschätzung der Kinder ist es auch gerade bei uns Christinnen und Christen lange Zeit nicht so weit hergewesen. Erst 1989 wurden die Kinderrechte von der UN völkerrechtlich ratifiziert… Wow, da haben wir Erwachsenen dann gestaunt, und ich musste mich an die eigene Nase fassen, was Hintergrundwissen angeht.

Jedenfalls haben wir alle den Samichlaustag ganz neu erlebt und den alten Herrn im roten Mantel mit neuen Augen angeschaut. Aus der Türkei kam der Samichlaus dieses Jahr dann aber doch nicht….

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2 Kommentare

  1. Die Überschrift ist ja doch ein bisschen irreführend, gab es doch die Türkei damals gar nicht. Die Turkvölker lebten in Zentralasien (was die meisten auch heute noch tun) und Nikolaus war wohl griechischsprachig.

    • Lieber Herr Müller!
      Danke für Ihre Ergänzung! Sie haben natürlich recht, dass der Titel ein wenig irreführend ist :-). Nikolaus lebte nur auf dem Gebiet der heutigen Türkei, damals war Myra noch Teil des römischen Reiches. Die Leute dort sprachen griechisch. Für mich ist es vor allem wichtig, dass wir wissen, dass unsere christlichen Traditionen aus den Regionen stammen, die im Moment so erschüttert werden von Krieg und Terror, und die uns so fremd scheinen.
      Mit herzlichen Grüssen, Christine Straberg

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