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Der Schatten von Brüssel über der Karwoche

Die Karwoche wird von den schrecklichen Anschlägen in Brüssel überschattet. Lasst uns besonders am Karfreitag die Opfer und Hinterbliebenen in unsere Fürbitten einschliessen.

In diesem Zusammenhang macht mich aber ein ganz anderer Gedanke besonders betroffen. Wer erinnert sich noch an den 2. Februar 2016? Was war da schon wieder? An diesem Tag ertranken 35 Flüchtlinge in der Ägäis. Wo war unsere Empörung und unsere Trauer an jenem Tag?

Bis damals, Anfang Februar, waren schon gegen 380 Menschen, allein im Jahr 2016, auf diese Weise ums Leben gekommen.

Seither haben wir kaum mehr vom Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer Kenntnis genommen. Ertrunkene Flüchtlinge sind der Presse kaum mehr eine Meldung wert.

Inzwischen wird die Zahl wohl deutlich über 400 gestiegen sein.

Die Menschen im Mittelmeer ertrinken nicht nur, weil im mittleren Osten der Terror wütet. Sie ertrinken auch, weil Europa unfähig ist, auf dieses Drama angemessen zu reagieren.

Niemand hier unter uns trägt daran eine individuelle Schuld. Ich spreche auch nicht gern von kollektiver Schuld. Und doch: die Hilflosigkeit Europas angesichts dieser Tragik ist erbärmlich.

„Kyrie eleison“, Herr erbarm dich unser!

Um Erbarmen werden wir Gott in unseren Gottesdiensten in den nächsten Tagen bitten: Erbarmen für unsere Hilflosigkeit.

Erbarmen für die Opfer individueller Gewalt von Terroristen.

Erbarmen für die Opfer struktureller Gewalt, die durch individuelle Hilflosigkeit entsteht und durch den politischen Unwillen, dieser humanitären Katastrophe ein Ende zu setzen.

Wir brauchen das Erbarmen Gottes. Nötiger denn je.

Wir glauben an den Gott, den die Menschen umgebracht haben.

Wir glauben an den Gott, der nach drei Tagen auferstanden ist.

Wir glauben an den Gott, der trotz aller Schuld und allen Versagens den Menschen die Treue hält.

Daraus wächst Hoffnung für alle, die Gottes Erbarmen nötig haben.

Ich wünsche uns allen einen besinnlichen Karfreitag und hoffnungsvolle Ostern.

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