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Die Angst, das eingesperrte Tier

Herr H. lag mit frischer Diagnose im Spital: Prostatakrebs, aggressiv.

„Kopf hoch, das kommt schon gut!“

ermunterte ihn seine Tochter beim ersten Besuch danach. Sie sei sich ganz sicher!
Herr H. sah sie an. Woher willst du das wissen, wunderte er sich still. Und wusste, dass er das Schliessfach nicht öffnen durfte, in das er mühsam seine jähe Angst und die aufbrechende Bodenlosigkeit gesperrt hatte. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht vor ihr, die offenkundig nichts davon wissen wollte.
Statt dessen sagte er:

„Ja, ich weiss“,

und lächelte ein wenig.

Die Tochter verliess ihn, froh und erleichtert, dass sie ihm etwas Mut hatte machen können. Und das war ja auch nötig, bei so einer schlimmen Nachricht!

„Er nimmt es gut“, sagte sie zuhause zu ihrem Mann. „Zum Glück! Es hätte ja sein können, dass er total fertig ist nach der Diagnose.“

M.Kuse, Pfr.

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