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Die Botschaft der Engel gegen den Hass

Als Mitte November ganz Europa unter Schock stand wegen der Anschläge von Paris, da war auch ich sehr aufgewühlt und von Fragen umgetrieben: Wie können Menschen so etwas tun? Wie können sie zwischen solch schrecklicher Gewalt und ihrer Religion irgendeinen Zusammenhang sehen?

Zwei Dinge blieben dann aber in meiner Wahrnehmung am stärksten zurück:
Zum einen die Scham darüber, dass wir fast täglich in den letzten Monaten über Terroranschläge in Irak, Syrien, Libanon, Nigeria oder Ägypten lesen oder hören konnten. Und irgendwie hatten wir uns daran gewöhnt. Und zum anderen die Furcht über den Umstand, wie ungehemmt jetzt von «Krieg» die Rede ist, und sei es auch nur der Krieg gegen den Terror. «Frankreich ist im Krieg. Wir werden die Terroristen erbarmungslos bekämpfen» liess sich der französische Präsident Hollande vernehmen. Zum ersten Punkt: Müssen wir uns schämen, dass uns die Bombenexplosionen in Aleppo oder Kobane nicht gleich erschüttern wie diejenigen in Paris?

Ich glaube, es ist ein natürlicher Reflex, dass uns näher geht, was näher bei uns geschieht. Viele von uns waren schon in Paris, haben schöne Erinnerungen an diese Stadt, die uns mit Grosszügigkeit, Savoir-vivre, Kultur und charmanter Leichtigkeit beeindruckte. Städte des Nahen Ostens, die oft überhaupt erst im Zusammenhang mit Krieg und Gewalt in unser Bewusstsein gerückt sind, hatten nie die Chance, solche Eindrücke bei uns
zu hinterlassen. Nachrichten von dort berühren uns anders. Schämen müssen
wir uns deswegen nicht. Nun kommen aber von dort nicht nur Nachrichten, sondern auch Menschen zu uns. Das verändert die Situation. Diese Welt kommt uns immer näher.

Und die Engel verkündeten den Hirten: «Ehre sei Gott, und Friede auf Erden unter den Menschen seines Wohlgefallens!» (Lukas 2, 14)

Schämen müssen wir uns nicht dafür, dass uns Nahes näher geht, aber wir
müssen Rechenschaft darüber ablegen, was unser Christsein mit unserer Haltung und unserem Verhalten gegenüber diesen Menschen zu tun hat. Reagieren wir jetzt so, wie es die Terroristen erhoffen? Grenzen wir Flüchtlinge, Migrantinnen und Migranten aus muslimischen Ländern
pauschal und präventiv aus? Werfen wir sie bewusst oder unbewusst in den
gleichen Topf wie diese unmenschlichen Gewalttäter?

Oder erinnern wir uns daran, dass unsere Hoffnung auf einem Kind liegt, für das kein Platz mehr war in der Stadt? Auf einem Kind, dessen Eltern fliehen mussten, weil der Herrscher alle neugeborenen Knaben umbringen liess?
Christsein heisst darauf hoffen, dass die Spirale der Gewalt durchbrochen werden kann. Die Rechnung der Terroristen darf nicht aufgehen. Wir dürfen nicht aufhören, in bedürftigen Mitmenschen, egal woher sie kommen, Christus zu erkennen. Er, der mangels Platz in einem Haus im Stall zur Welt gebracht wurde, dessen Eltern fliehen mussten vor der Gewalt eines erbarmungslosen Herrschers, er, der unschuldig umgebracht wurde: Er ist
unser Zeichen der Hoffnung, der Versöhnung, des Sieges des Lebens über Gewalt und Tod.

Ich kann verstehen, wenn Staatsmänner heute von Krieg reden. Ich kann verstehen, wenn es Staatsgewalt braucht, um die Gesellschaft vor der Gewalt ruchloser Terroristen zu schützen. Als Christinnen und Christinnen tragen wir aber am meisten dazu bei, dass die Spirale der Gewalt sich nicht weiterdreht, wenn wir an das glauben und für das einstehen, was die Engel den Hirten verkündeten: «Ehre sei Gott, und Friede auf Erden unter den Menschen seines Wohlgefallens!»

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1 Kommentar

  1. diese entrüstung „wie können menschen so etwas tun?“ kenne ich nicht, weil sie mir aus nächster nähe bekannt ist. papst franziskus erlässt ein enzyklika zum klimaschutz, und zugleich ruft er ein jubeljahr aus, das millionen nach rom reisen lässt, auch von weither – oder etwas weniger wegen der terrorgefahr. was mir näher liegt, ist das sachte hin und her bewegen des hauptes angesichts der weltlage insgesamt. und es ist mir nicht mehr möglich, in e i n e r religion nach dem heil zu fragen. was sind sind die verschiedenen religionen und nicht-religionen in ihrer ursprünglichsten wahrheit, in der sie vereinigt sind?

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