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Die Schatten werden länger….

foto: picelio - bernd kasper
foto: picelio - bernd kasper

Die Schatten werden länger

Dunkelheit bricht in unser Licht

Bäume – Sträucher brechen ein

Das letzte bisschen Leben das zerbricht

Das sind die ersten Zeilen eines Liedes, welches ich im Herbst 2012 nach der Beerdigung eines mir nahe stehenden Menschen geschrieben habe.

Jetzt ist wieder die Jahreszeit, die es uns so deutlich macht, wie vergänglich alles ist. Auch wenn der Sommer gross war und in voller Blüte stand, die Bäume, Pflanzen und Wiesen in saftigem Grün standen und in wunderbaren Farben leuchteten, so sehen wir in der Natur, wie langsam sich alles zu verändern beginnt. Die Tage werden kürzer. Die Sonne verliert langsam ihre Kraft, die Blätter fallen und alles färbt sich dem Farbton der Erde an.

Nicht zufällig werden auch die Jahreszeiten oft als Sinnbild für das Leben genommen. Jede Phase ist in sich schön und stimmig. Im Frühling das Wunder des Lebens. Dann das Blühen und Wachsen im Sommer. Im Herbst das langsame Vergehen und im Winter das starre und scheinbare Ende.

Im Monat November verknüpft das Kirchenjahr die Themen und Fragen von Ende und Anfang auf eine ganz besondere Weise miteinander.

Am Ende des Monats November feiern wir den sogenannten „Ewigkeitssonntag“, auch bekannt unter dem Namen „Totensonntag“.

An diesem Sonntag gedenken wir noch einmal besonders unserer Vergänglichkeit und unserer Verstorbenen. Das tut den Menschen gut, die traurig sind.

Wir erleben ja, wenn wir einen Menschen verlieren, immer eine unaussprechliche Trauer und ein Schmerz. Da tut es gut und ist irgendwie tröstlich, wenn wir an den Menschen, den wir unwiderruflich loslassen mussten, besonders denken und ihn damit ehren.

Das Besondere am Kirchenjahr ist, dass schon am darauffolgenden Sonntag nach dem Ewigkeitssonntag gleich der 1. Advent folgt. Das Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent.

„Advent“ ist lateinisch und heisst „Ankunft“. Wir warten im Advent auf Weihnachten, auf die Geburt von Jesus. Es ist eine freudige Zeit und wir freuen uns, weil Gott als Mensch zu den Menschen gekommen und uns nahe gekommen ist.

Die Adventszeit ist die dunkelste Zeit im Jahr. Es wird aber immer heller. Nach und nach werden die Adventskerzen entzündet und nach der Heiligen Nacht am 24. Dezember werden die Tage allmählich wieder länger.

Immer wieder finden wir in der Bibel solche gegensätzliche Dinge. In diesem Falle wird dem Ende, der Vergänglichkeit, das Neue, den Neuanfang, das Licht entgegengestellt.

In dieser Anordnung wird ganz einfach gesagt: Der Mensch ist vergänglich. Das Leben eines jeden Menschen, die Erdenzeit ist begrenzt. Aber bei Gott gibt es eine Hoffnung über den Tod hinaus. Denn Gott hat trotz Vergänglichkeit noch eine Geschichte mit uns Menschen. Nach der Vergänglichkeit folgt der Anfang. Das heisst, Gott lässt auch nach dem Ende seine Menschen nicht ins Bodenlose fallen.

Es ist doch ermutigend zu wissen, dass Gott noch grösser ist als die Vergänglichkeit und das Ende unserer Erdenzeit.

 

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