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Ehe für alle

Foto: Ehe für alle

Was für ein Riesenthema diese Ehe für alle doch ist! Ich kann immer noch kaum fassen, wie viel Diskussionen die Liebe zwischen Homosexuellen auslöst.

Meine Kollegin beim Wort zum Sonntag, Sibylle Forrer, hat dazu  einfache und deutliche Worte gefunden, mit klarer biblisch fundierter Argumentation. Liebe ist Liebe! Auf der SRF-Homepage werden unsere Beiträge im Schnitt 400-800 mal angesehen – ihr Beitrag aber 6200 mal. Was für ein Thema also!

Wie die AZ letzte Woche richtig feststellte, ist die traditionelle Familie de facto bald ein Minderheitenmodell. Geheiratet wird zwar viel, aber dann lebt man später in Patchworkfamilien, es wird viel geschieden, wieder geheiratet oder auch nicht. Viele Kinder haben nicht mehr nur ein Zuhause, sondern mehrere, sie pendeln zwischen den Lebensmittelpunkten ihrer Eltern hin und her. Über 65000 Kinder jährlich nutzen den Betreuungsdienst der Lufthansa, um von Mama zu Papa und zurück zu gelangen!

Natürlich müssen wir heute mit den komplexeren Familiensituationen leben können – ja sollen auch ihr Vorteile anerkennen. Aber ich kaufe der AZ nicht so richtig ab, dass das alles sozusagen die schöne neue Welt ist, vor allem für die Kinder.

Wir wissen heute gut genug, dass für Kinder vor allem eine Sache entscheidend ist: Verlässlichkeit. Es muss nicht die bürgerliche vierköpfige Familie sein, sondern: Kinder brauchen einfach verlässliche und zugewandte Bezugspersonen, die mit ihnen stabile, tragfähige Beziehungen leben. Menschen, die ohne Frage für sie da sind. Die innere Verfassung eines Beziehungssystems ist entscheidend, nicht die äussere Gestalt.

Leider funktionieren nicht alle Familien so wie in den fröhlichen, bunten Familienfilmen und -serien. Viel Armut, viel Beziehungsabbruch, viele Zumutungen vor allem für die Kinder. Das gilt für Patchwork-Familien wie für traditionelle Familien. Dieses Gerede, Kinder bräuchten unbedingt Eltern unterschiedlichen Geschlechts! Ich finde, wenn ein Kind zwei Väter hat, die sich liebevoll um es kümmern, ist das entschieden besser, als wenn der Vater zur neuen Freundin nach Dänemark gezogen ist und die Alimente nicht zahlt.

Und ebenso ist ein liebevolles homosexuelles Elternpaar besser als ein heterosexuelles Elternpaar, dessen Alltag von Streitereien, Gewalt oder gegenseitiger Demütigung gezeichnet ist. Genauso wie es gut ist, wenn geschiedene Eltern sich die Sorge um ihre Kinder verantwortungsvoll und im Sinne des Kindswohls wirklich teilen.

Rollenvorbilder werden – zum Glück – nicht nur zuhause geprägt. Vermutlich ist es zu diesem Stichwort wichtiger, wieder mehr Männer an die Primarschulen zu bringen, damit die Jungs die Abwesenheit ihrer Väter ein Stück weit kompensieren können.

Ich habe schon mehr als ein Kind getauft, das bei zwei Müttern aufwächst. Der leibliche Kindsvater ist in das System einbezogen, diese Kinder werden einmal wissen, wie alles aufgegleist wurde, und auch zum leiblichen Vater Kontakt haben. Rechtlich ist alles sehr sauber geregelt. Gerade Schwule und Lesben, die Kinder wollen, haben oft ein grosses commitment den Kindern gegenüber und sind sich über ihre Absichten völlig im Klaren.

Ich bin für die Ehe. Sie bietet Paaren, die ein gemeinsames Leben aufbauen wollen, eine tragfähige und bewährte Rechtsgrundlage, einschliesslich der Frage nach Kindern. Aber das ist nur die äussere Hülle, das Dach über dem Kopf. Das wesentliche ist die Liebe, die unter einem solchen Dach gelebt wird. Liebe und Verbindlichkeit. Ein anderes Kriterium – wie das Geschlecht – kann ich nicht finden. Es ist Zeit, in diesen Fragen vom Kindswohl her zu denken und sich nicht von Klischees leiten zu lassen, die nachweislich nichts taugen.

www.srf.ch/play/tv/wort-zum-sonntag/video/ehe-fuer-alle?id=8ba413c0-064b-4a40-9a75-724db82fef80

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