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Eine Nacht in der Wildnis – der Natur begegnen, sich selbst, Gott…

Foto: Eine Nacht in der Wildnis – der Natur begegnen, sich selbst, Gott…

Vergangenes Wochenende waren wir mit einer Gruppe Jugendlicher abseits der Zivilisation, in der Nähe von Sörenberg in einem Lagerhaus. An diesem Weekend ging es darum, eine Nacht alleine draussen zu verbringen. Eine Nacht in der Einsamkeit eines Bergwalds oder Hochmoors, am Rand einer Alpweide oder in der Nähe eines Bachs. Jede/r Jugendliche hat sich aus zwei Blachen eine einfache Klause gebaut, ein sogenanntes „Tarp“. Tagsüber haben sie sich dort eingerichtet, und am Abend gingen sie dann hinaus mit nichts – ohne Handy, ohne Uhr, ohne jede Möglichkeit der Ablenkung, ohne Kerze oder Feuerzeug, nur mit warmen Kleidern, ihrem Schlafsack und etwas zu trinken.

Was sie draussen erlebten, haben wir uns am anderen Tag im Kreis erzählt. Eine solche Zeit in der Einsamkeit ist eine sehr besondere Erfahrung, besonders wenn jede Möglichkeit der Ablenkung ganz bewusst fehlt. Einfach da sein, sich selbst in der Stille und im Spiegel der Natur begegnen. Es zeigte sich bei einigen, dass die Wahrnehmungen sich veränderten, sie wurden feiner und genauer. Manche sahen Tiere oder Dinge, die ihnen sonst nicht aufgefallen wären. Manche hatten Gedanken über sich selbst und ihr Leben, die vielleicht sonst nicht aus der Tiefe hätten aufsteigen können. Eine solche Auszeit schafft einen besonderen Raum, in dem vieles geschehen kann – einen Raum der Begegnung mit der Natur, mit sich selbst, mit der inneren Welt, mit Gott.

Es gab die Erfahrung von Härte, von Unlust. Ausharren müssen, durchhalten müssen: Es war bei manchen eine Geduldsprobe. Es gab aber auch vielfach die Erfahrung einer nach und nach einkehrenen Ruhe, eines Friedens, den wider Erwarten auch die ekligen Schnecken, Käfer und Ameisen nicht stören konnten. Vielmehr wurden diese gefürchteten Tiere irgendwie zu Gefährten. Mehrere Jugendliche erlebten sowohl eine Durststrecke als auch das Erwachen einer erstaunlichen Harmonie.
Wir waren auf den Spuren von Jesus in der Wüste (Mk 1,12-13), auf den Spuren der Waldeinsiedler, die vor 1600 Jahren in die Schweiz kamen und die Klöster begründeten.

Gegen Mitternacht bahnten sich Gewitter an. Es begann von fern zu wetterleuchten, zu blitzen und auch zu grollen. Erste Tropfen fielen. Alle Jugendlichen kehrten da zurück in den Schutz des Hauses, was bei den Wettern, die in den Bergen auftreten können, sicher klug war.

Das unverhoffte Entdecken einer Art von Geborgenheit gerade in dieser Einsamkeit ist wie ein Schimmer im Dunkeln, eine Leuchtspur in der Nacht.

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