Beitragslink

1

«Einheit in Vielfalt?» – das Gemeinsame bei den Reformierten

Foto: «Einheit in Vielfalt?» – das Gemeinsame bei den Reformierten
Tagungsteilnehmer vor der reformierten Kirche in Debrecen

«Einheit in Vielfalt?» war der Titel einer Tagung, an der ich Mitte April in der Nähe von Debrecen, Ungarn, teilnehmen konnte. Reformierte Theologinnen und Theologen aus aller Welt diskutierten über die Vielfalt reformierten Christseins in Geschichte und Gegenwart. Debrecen ist seit der Reformationszeit eines der traditionsreichen Zentren des reformierten Protestantismus in Ost-Mitteleuropa. So kann man in Debrecen vom Kindergarten bis zum Doktorat in Theologie alle Ausbildungsstufen in reformierten Schulen durchlaufen. An drei intensiven Konferenztagen habe ich nicht nur über die ungarische Schwesterkirche viel Spannendes erfahren, sondern auch über die schottischen Reformierten, die über 200 koreanischen reformierten Kirchen, die Amerikanischen Presbyterianer und über Glaubensgeschwister in Südafrika, die immer noch die Folgen des Apartheidregimes abzuarbeiten haben. In diesen Tagen habe ich Einheit in Vielfalt konkret erlebt. Ich habe gelernt die kirchliche Situation in der Schweiz zu relativieren: Die rechtlich anerkannte, immer noch gesellschaftlich breit verankerte Kirche ist die Ausnahme im weltweiten Vergleich:
Die meisten Reformierten Kirchen sind kleine Minderheitskirchen – insbesondere
dort, wo sie enormen Zulauf haben und pro Sonntag vier Gottesdienste in voller Kirche feiern, wie etwa in Korea oder China. Die Schweizerische Art, Kirche zu sein,  ist eine Möglichkeit unter hunderten.
Aber: wir sind Teil EINER weltweiten Kirche. Am intensivsten wurde mir dies bewusst, als wir in der Andacht am Sonntagmorgen mangels Gesangbuch
auswendig, aber jede und jeder in der jeweiligen Sprache «Nun danket alle Gott»
anstimmten und das Unser Vater beteten. Es wird manchmal beklagt, dass die Reformierten so uneins seien, dass sie nicht einmal eine gemeinsame Vorstellung von Kirche teilten. Das mag bei der Frage der Strukturen oder der Frömmigkeitsstile zutreffen, zum Teil auch auf die Aargauer Landeskirche. Aber im Singen, Beten und Feiern lässt sich das gemeinsame Kirche-Sein auf berührende Weise erleben. Unsere Unterschiedlichkeit ist dann ein Reichtum,
wenn wir uns auf den gemeinsamen Grund und auf die Treue Gottes zu seiner
einen, vielfältigen Kirche verlassen.

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (1)
  • berührend (4)
  • lustig (0)
  • nachdenklich (0)
  • wichtig (2)
  • fragwürdig (6)
  • langweilig (2)

1 Kommentar

  1. vater? „er hätte geradesogut mutter sagen können“, bemerkt leo karrer. hat er aber nicht. und das problem der elternbindung bliebe ungelöst. „nun danket alle gott!“ dank mit dieser emphase gibt es bei mir nicht. und dann wieder „der“. die lehre vom dreieinigen gott hat mehr zu sagen, als gemeinhin angenommen wird, aber „wie er für immer bleiben wird“, kann ich nicht vorbehaltlos mitsingen. beim geschirrspülen frage ich mich, wofür ich gott dankbar bin. ich habe es deutlich vor mir gesehen, erlebt, erfahren. es wäre etwas peinlich, es zu verraten. der grössere zusammenhang ist die erlösung aus dem nur-traditionellen. das gemeinsame kirche-sein erlebe ich in der erlaubnis, im dialog mit schrift und tradition noch einmal von vorne anzufangen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.