Beitragslink

2

Einmal im Jahr in den Gottesdienst ist schon zu viel

Vor einigen Jahren war ich in einer Kirchgemeinde tätig, in der der Religionsunterricht von der 1. bis zur 9. Klasse Pflicht war. Wer konfirmiert werden wollte, musste den Unterricht fast lückenlos besuchen. Für die Unter- und Mittelstufe bedeutete das, dass die Kinder pro Schuljahr an 3 Samstagvormittagen zum Unterricht mussten und ein Mal im Jahr in den Gottesdienst. Diese Gottesdienste waren – erfreulicherweise – immer gut besucht und kindgerecht gestaltet.

Nach einer, für mich schönen und fröhlichen Feier, wohlgemerkt ein Mal im Jahr, kam ein Vater auf mich zu und schleuderte mir folgende Worte entgegen: „Jetzt haben wir unser Kind absichtlich reformiert getauft, damit wir nicht ständig in die Kirche rennen müssen. Und was ist jetzt? Ständig müssen wir in die Kirche, sonst wird es nicht konfirmiert! Und überhaupt, dass es Gott gibt, können Sie mir doch gar nicht beweisen!“

Nach drei Mal leer schlucken und kurz durchatmen, versuchte ich dem wütenden Vater das System zu erklären und fand, dass ein Mal pro Jahr einen Gottesdienst zu besuchen doch nicht zu viel verlangt sei. In einem Punkt musste ich ihm aber Recht geben und sagte deshalb: „Nein, ich kann Ihnen nicht beweisen, dass es Gott gibt, aber Sie können mir nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt!“
Solche Begegnungen erlebe ich sehr selten, aber auf ihre Weise haben mich auch diese Situationen in meinem Glauben und Schaffen in der Kirche bestärkt.

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (3)
  • berührend (4)
  • lustig (2)
  • nachdenklich (21)
  • wichtig (4)
  • fragwürdig (0)
  • langweilig (4)

2 Kommentare

  1. Gute Antwort Christina. In der Gemeinde in der ich arbeite gab es Protest bei der Probe für den Gottesdienst. Unter anderem meinte ein Vater dann müsse die Frau Pastorin in die Feuerwehr.

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.