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«Es Guetzliförmli?»

Foto: «Es Guetzliförmli?»

Es ist morgens um sechs Uhr am 31. Oktober. Zu viert verladen wir das Material und fahren los, zwei Personen zum Bahnhof Wildegg, zwei zum Bahnhof Lenzburg. Im Gepäck haben wir insgesamt gut 3000 Guetzli-Ausstecher in der Form eines «I like»-Buttons, dieses hochgereckten Daumens, wie man ihn von Facebook und anderen digitalen Medien kennt. Dazu eine entsprechende Anzahl an begleitenden Postkarten, und noch eine Kiste voller «Reformationssuppen». Es ist eine Aktion im Rahmen der Kampagne der evangelischen Kirchen zum Jubiläum 500 Jahre Reformation.

Um halb sieben stehen wir zu zweit in Lenzburg bereit. Es ist noch fast dunkel, und kalt. Wir würden besser warme Brötchen verteilen, denke ich.

Aber o Wunder: Wellenweise schwappen die Leute von den Bussen und vom Seetalbähnli in den Bahnhof – und freuen sich über unsere «Giveaways».
Immer wieder staunen wir, wie gerade die am mürrischsten aussehenden Gesichter plötzlich von freundlichem, ja manchmal strahlendem Lächeln erhellt werden. Viele sind verwundert, fast alle bedanken sich, manche bleiben auf ein Wort stehen und bekommen dann von uns noch ein Suppenbeutelchen.

Eine ältere Frau kommt nach fünf Minuten nochmal zurück. Sie kennt offenbar den «Like»-Button nicht und möchte wissen, was der Ausstecher darstelle? Einen Samichlaus könne sie nicht drin erkennen. Eine jüngere Frau, die sich erst an uns vorbeidrücken wollte und dann das Förmchen verlegen lächelnd entgegennahm, kommt ebenfalls wieder zurück. Ob wir entschuldigen, wenn sie noch gerne ein paar Förmchen mehr hätte? Sie arbeite in einer Schulkantine und würde ihren KollegInnen gern je so ein Förmchen mitbringen.

Es ist eine Lehrstunde – für uns! Die Passanten nehmen Notiz vom Reformationstag – wir aber lernen, wie man sich in den scheinbar so abweisenden Gesichtern oft täuschen kann. Apropos Vorurteil!
Am Ende gehen an unseren beiden Bahnhöfen rund 2000 Förmchen in zwei Stunden weg. Aber unsere Körbe sind wieder gefüllt – mit vielen zwar flüchtigen, aber schönen Momenten und freundlichen Begegnungen.

 

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2 Kommentare

  1. Super Martin ich freue mich über den Einsatz und es stimmt mich nachdenklich. Wie wenig es doch manchmal braucht für ein Lächeln.
    Herzlich Lotti Meier

  2. Sooo guet; Kompliment für die sehr originelle Idee und ein Danke an alle Helfer. Ich bereue es, dass ich nicht mit dem Zug unterwegs war!!

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