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Es werde Licht…

Foto: Es werde Licht…

Licht spielt im Christentum eine wichtige Rolle: So steht schon im dritten Vers der Bibel der Satz: „Gott sprach: Es werde Licht“ – und im Neuen Testament sagt Jesus im Johannes Evangelium „Ich bin das Licht der Welt“.

Licht ist das Gegenteil von Finsternis. Licht schenkt Klarheit, Offenheit und Freiheit, aber auch Wärme und Geborgenheit.

Licht spielt in der Architektur der Kirchen eine wichtige Rolle – ich finde es darum immer wieder spannend zu sehen, wie das Licht in die Kirche gebracht wird: sind es einfach weisse Glasfenster oder bunte Fenster? Und wenn die Fenster farbig sind – sind es mittelalterliche Bunzenscheiben (kleine, runde, günstige Scheiben, die aber wenig Licht durchlassen) oder sind es kraftvoll gemalte Bilder, wie diejenigen von Marc Chagall im Zürcher Fraumünster? Wie scheint das Licht durch diese Fenster?

Besonders gut gefallen mir die Fenster der Basilica di San Paolo fuori le mura in Rom. Sie wurden aus Alabaster geschaffen – hauchdünn geschnittener Stein – und tauchen das Kirchenschiff in ein sanftes Licht, das mich an Honig oder an einen Sonnenaufgang über herbstlichen Laubbäumen erinnert.

Spannend ist auch zu sehen, wie das künstliche Licht in einen Kirchenraum gebracht wird: sind es Leuchtmittel, die der Epoche der Kirche nachempfunden sind, oder mischt man alt und modern? Obwohl ich ein Gemisch der Stilrichtungen durchaus schätzen kann, gelingt es nicht immer. Denn wenn das moderne Licht zu weiss ist, wirkt der Raum kalt und abweisend, was für mich irgendwie im Widerspruch zu einem kirchlichen Raum steht.

Kerzen waren in den reformierten Kirche lange verpönt. Man zelebrierte einen geistigen Purismus: alle Sinne sind auf das Wort gerichtet. Der Haken daran ist, dass der Mensch nicht nur mit den Ohren hört, sondern auch mit dem Augen. Darum bin ich froh, dass  mittlerweile auch in den reformierten Kirchen Kerzen auf dem Abendmahlstisch oder beim Ambo (Rednerpult) brennen.

Und auch die Osterkerze hat mittlerweile ihren festen Platz in unseren Kirchen gefunden. Ihre Flamme erinnert an die Auferstehung Christi. Und wir feiern jeden Sonntag Gottesdienst, weil Christus auferstanden ist. Somit hat ihre Flamme etwas festliches und tröstliches – ein Symbol für die Hoffnung, die unserem Glauben zugrunde liegt.

Info zum Bild: eine Momentaufnahme aus dem Ostergottesdienst 2016

 

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4 Kommentare

  1. ja. da sind wir wirklich in einem grossen dilemma: der energiespareffekt von led ist beeindruckend. aber wie wird sich eine solch umfassende beleuchtung durch led längerfristig auf uns auswirken? led kann kann theoretisch dieselbe wärme und farbwiedergabe erreichen wie die glühbirne, bleibt aber hart – und theoretisch. nach einem aufenthalt in einem so beleuchteten raum, machte ich mal ein gedicht, dessen zwei letzten zeilen mir erinnerung sind:

    kein licht tröstlich und warm
    erledigt

    • Nadine Hassler Bütschi 16. Mai 2017 um 21:25 Antworten

      Darf ich schmunzeln? Eine gescheite Antwort fällt mir nämlich nicht ein.
      Liebe Grüsse, Nadine Hassler Bütschi

  2. Das Licht, immer wieder ein wichtiger Aspekt im Leben. Die Frage stellt sich mir; wie trage ich, trägt die Kirche das Licht auf die Strasse, unter die Leute im Alltag?
    Danke für den Blogbeitrag und weitere Anregungen.
    Franco Melone

    • Nadine Hassler Bütschi 16. Mai 2017 um 21:24 Antworten

      Lieber Herr Melone
      ich denke in jedem Gottesdienst, jedem Gespräch, jeder Hilfe, jeder Unterstützung, im Unterricht, im Spital, im Gefängnis, im Altersheim, in der Arbeit mit Behinderten, mit Kinder, Jugendlichen, Männer und Frauen, Senioren, Trauernden, Sterbenden, Asylanten. In jedem Miteinander sind die Menschen, die sich für die Kirche Jesus Christi engagieren, bemüht, etwas mehr Wärme, Licht und Hoffnung in diese Welt und in den Alltag zu bringen.
      Liebe Grüsse, Nadine Hassler Bütschi

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