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Für immer und ewig (Von Tattoos und Grabsteinen)

Foto: Für immer und ewig (Von Tattoos und Grabsteinen)

Letzthin bei einem Nach-Abdankungs-Gespräch kamen die Hinterbliebenen auf die Wahl des Grabsteines zu sprechen. Eine schwierige Sache sei es, diese Wahl, weil der Grabstein doch das Wichtigste über das Wesen Verstorbenen in Worten und Formen aussagen soll. Bloss was sollte man da wählen? Was würde sein Wesen am Besten widerspiegeln? Eine wichtige Fragen, denn schliesslich würde der Entscheid dann in Stein gemeisselt sein für lange Zeit.

 

Eigentlich war ich ja lange eine Gegnerin von Tattoos und mir wäre es nie in den Sinn gekommen mir etwas eintätowieren zu lassen, Himmel Nein. Ich schlage nicht mal gerne Nägel in die Wand, weil dafür eine tadellose Wand geopfert wird für die flüchtige Stimmung, dass nun ein Bild hier hin müsse, das mir vielleicht in ein paar Monaten oder gar Wochen überhaupt nicht mehr gefällt.

Abgesehen davon fand ich den Hype, dass sich nun alle tätowieren lassen müssen, weil das grad so „in“ ist, ziemlich dämlich. Da muss ich jetzt ja nicht auch noch mitmachen. Und wenn schon, dann müsste ich mir etwas eintätowieren lassen, das mir für immer gefällt, mein Leben lang. Aber gibt es so etwas Ewigwährendes, wenn ich bedenke, wie schnell Menschen sich heutzutage verändern? All die Lebensabschnitte, die da noch auf mich warten – mit all ihren Veränderungen? Kann ich da etwas sozusagen in Stein meisseln bzw. auf meine Haut schreiben lassen, das für immer zu mir passt?

 

Dabei  fiel mir auf, dass es eine Gemeinsamkeit gibt zwischen Tattoos und Grabsteinen. Beide sind wohlüberlegt ausgewählt, weil beides Dinge sind, die etwas über denjenigen aussagen, den sie repräsentieren. Sowohl bei Grabsteinen und als auch bei Tattoos soll diese Botschaft für lange, wenn nicht für immer passend sein und das Wesen dieses Menschen unterstreichen. Mit einem sprichwörtlich gravierenden Unterschied: Als Trägerin eines Tattoos kann ich selbst auswählen wie es aussehen soll. Wie schön!

 

Als ich den Tätowierer fragte, wie ich denn ein Tatoo am besten auswähle, damit es mir für immer gefalle, lachte er mich nur aus und meinte: „Das ist doch nicht für ewig, das ist für den Augenblick!“ Ach so? Es ist ein Ausdruck eines momentanen Gefühls im Augenblick? Und es klebt dann als unveränderbares Brandmahl dieses Momentes für den Rest meines Lebens an mir? Als Pfarrerin bin ich mir gewöhnt, dass ich nach Aussagen suche, die einen möglichst ewigen Bestand haben. Und versuche, dass ich hinter dem, was ich tue und sage auch für den Rest meines Lebens stehen kann. Mich in dieses Gefühls des momentanen Augenblicks hinein zu fühlen fiel mir schwer.

 

Ich tat es dann doch und liess mich tättowieren, unter viel Schmerz und stundenlangem Leiden. Und es wurde ein Abbild eines momentanen Augenblicks, vom dem ich mir trotzdem erhoffe, dass es einen Ewigkeitswert für mich hat.

 

Als Nächstes könnte ich eigentlich meinen eigenen Grabstein entwerfen. Ich habe ja jetzt geübt im Umgang mit den Schwierigkeiten, die sich ergeben können, wenn ich mich auf etwas festlegen soll. Und so müssen meine Hinterbliebenen auch nicht darüber streiten, welcher Aspekt von mir noch in Stein gemeisselt werden soll. Was mir wichtig war, erhalten sie als letzte Botschaft von mir.

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7 Kommentare

  1. Hallo Corinne

    Vielen, herzlichen Dank auch für diesen Text – spannend und nachdenklich zugleich. Ich freue mich, wenn Du wieder etwas mehr schreibst, denn Deine Texte lese ich am liebsten von allen 🙂

    Liebe Grüsse
    Oli

  2. Du weisst schon: eine Tätowierung zu entfernen kostet 10 Mal mehr als die Tätowierung selbst und ist 100 Mal so schmerzhaft, sagt man… 😉

    • ja das hab ich auch schon gehoert…
      in dem fall kaeme dann wohl eher eine amputation in frage… nein im ernst, ich hoffe natuerlich nicht, dass ich das mal soweit kommt!

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