Beitragslink

Hevenu Shalom

Friedenssäulen an den israelisch-ägyptischen Grenzen
Friedenssäulen an den israelisch-ägyptischen Grenzen

Gemütlich sitze ich in der warmen Sonne mit einer Glacé in der Hand in den Ferien und spiele heile Welt. Das scheinbar grösste Problem stellt die Auswahl des Tagesprogramm dar: am Strand bleiben oder eine Wanderung machen. Der Alltag mit seiner Hektik, Kummer und Sorgen haben wir an der Nordrampe des Gotthardportals gelassen. Es herrscht die Maxime «sun, fun and nothing to do».

Leider ist das Spiel «heile Welt» ein Spiel, das nicht umsetzbar ist oder ich nicht beherrsche. Denn die Welt dreht sich auch während der Sommerferien weiter und mit ihr die Spirale von menschlicher Schuld, Hass und Gewalt. So wird in den Tageszeitungen seitenweise das Für und Wider des Brexits beschrieben und mögliche Konsequenzen auch für unseren Arbeitsmarkt. Man erfährt Hintergründe über die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, die man lieber nicht wissen möchte und auf der nächsten Seite liest man, wie der Ku-Klux-Klan seine angebliche Mission feiert.

Und dann das Drama in Nizza…anonymer Schmerz und Verlust in Bild und Farbe…

Voller Betroffenheit lege ich meine Zeitungen auf die Seite. Die heile Welt hat blutende Risse bekommen und die eigene Macht und Hilfslosigkeit macht sich bei mir etwas mehr breit.

In diesem Moment ertönt eine Gitarre und junge Stimmen erheben sich zum Lied

«Hevenu Shalom Wir wollen Frieden für alle…wir wollen Frieden, Frieden, Frieden für die ganze Welt».

Wie ein Gebet schwingt dieses Lied in die Luft empor, und weitere Frauen und Männer – die gemütlich am See sitzen – hören in ihrer Betriebsamkeit auf und stimmen ebenfalls in dieses Lied ein, bis ein grosser Chorgesang entsteht. Spontan – einfach so – verbunden mit der Sehnsucht nach Frieden. Und auch dann, als das Lied längst verklungen und jeder wieder mit dem sommerlichen «dolce far niente» beschäftigt war, schwebte diese Bitte um Frieden in der Luft, und ich fühlte das Echo in mir.

Fazit: Es gibt keine heile Welt – leider auch in den Sommerferien nicht – aber es gibt den Traum und den Wunsch nach einer besseren, friedlicheren Welt. Und auch wenn man das Gefühl hat, dass die Weltpolitik durchaus ohne das Individuum stattfindet, so bleibt mir immer noch das Gebet. In Worten und Liedern können wir immer wieder darum bitten, dafür einstehen. Und in unserem Handeln – im Kleinen – uns ebenfalls um Frieden bemühen.

Diesen Beitrag finde ich...
  • spannend (1)
  • berührend (9)
  • lustig (0)
  • nachdenklich (6)
  • wichtig (8)
  • fragwürdig (2)
  • langweilig (2)

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie sämtliche mit * markierten Pflichtfelder aus.