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Hilfe! – Ich brauche Hilfe…

Seit einigen Wochen gestaltet sich mein Alltag etwas kompliziert: nach einem Unfall wurde meine linke Hand operiert und ist seitdem bis zum Ellenbogen in einer Schiene. Kein Problem wirst du nun denken, da gibt es ja noch die rechte Hand! Dummerweise ist aber die linke Hand meine „gute“ Hand. Dadurch gestaltet sich mein Alltag sehr kompliziert: Banalitäten wie anziehen, sich waschen, Gemüse rüsten, am Computer schreiben, Schuhe anziehen, Dosen öffnen (die Liste lässt sich fröhlich weiter ergänzen) mutieren zu einer grossen Herausforderung oder sind sogar gänzlich unmöglich.

Das Positive an der ganzen Geschichte: ich werde um eine Erfahrung reicher!
Als Pfarrerin bin ich oft in der Lage anderen Menschen helfen zu können und zu dürfen.
Das ist etwas sehr Schönes und durchaus auch Befriedigendes.
Nun erlebe ich wie es ist Hilfe anzunehmen, respektive darum zu bitten.
Ich gebe zu: das ist gar nicht so einfach!

Zuerst musste ich mich mal überwinden überhaupt um Hilfe zu bitten. Man wird dadurch abhängig von anderen Menschen, muss sich nach ihren zeitlichen Möglichkeiten richten und verliert ein grosses Stück Freiheit und Eigenständigkeit. Gewisse Sachen werden nicht so verrichtet wie ich es gewöhnt bin und so zählt plötzlich das Resultat und nicht der Weg, der zum Ziel geführt hat.

Gleichzeitig erlebe ich aber auch Hilfe, die ich so gar nicht will.
Und die Herausforderung dies zu kommunizieren ohne zu verletzen oder gar undankbar zu wirken.

Gerade an diesem Punkt ist mir die Art, wie Jesus auf seine Mitmenschen zugeht und ihnen hilft sehr bewusst geworden. Denn es fällt in den Evangelien auf, dass Jesus praktisch nie von sich aus hilft oder heilt, sondern immer nach den Wünschen und Bedürfnissen seines Gegenübers fragt. Jeder Mensch ist Fachperson für seine Anliegen, Wünsche und Bedürfnisse.
Helfen heisst das Gegenüber fragen, was er oder sie jetzt in diesem Moment konkret braucht.

Ich hoffe das Leben bald wieder mit beiden Händen anpacken zu können. Aber die Erfahrung meiner jetzigen Behinderung möchte ich behalten: die Achtsamkeit nicht verlieren, wenn ich einen Menschen helfen darf.

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2 Kommentare

  1. Liebe Mona, danke für die guten Wünsche und ich bin absolut Ihre Meinung.
    Ich staune mittlerweile, was ich alles mit der rechten Hand erledigen kann.
    Wobei das Schreiben, vor allem für die Personen, die es dann lesen müssen, sehr gewohnheitsbedürftig ist! 🙂 Ganz toll finde ich aber die Software, mit der ich am Computer arbeite. Ich kann nämlich gemütlich einen Tee trinken, eine Katze auf dem Schoss streicheln und gleichzeitig dem Computer meine Arbeiten diktieren. Ich glaube, das werde ich beibehalten, auch wenn die Hand wieder gesund ist! Liebe Grüsse

  2. Ich finde die Erfahrung toll. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich kann dank einem Handgelenksbruch heute mit beiden Händen schreiben. Sogar Zeitgleich 😉 Dank einem kaputten Daumen in meiner Lehre, bediene ich heute den Schraubenziehen in beiden Händen 🙂

    Ich wünsche trotzdem gute Besserung!

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