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«Jesus Christus ist auferstanden!» oder: Was ist ein «Axiom»?

Der berühmte Theologe und ehemalige Safenwiler Pfarrer Karl Barth soll einmal gesagt haben: «Wenn es ein christlich-theologisches Axiom gibt, dann ist es dieses: Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden». Mit dem Osterruf beginnt alles, was mit christlichem Glauben und christlicher Theologie zu tun hat. Axiome haben es in sich: Sie können nicht wissenschaftlich bewiesen, sondern nur empirisch, also durch Erfahrungen bestätigt werden. Ein Beispiel: 1 + 1 = 2. Die scheinbar einfachste aller mathematischen Gleichungen kann mathematisch nicht bewiesen werden, weil das, was zu beweisen ist, nur bewiesen werden kann, wenn man auf das zählt, was eben erst bewiesen werden will. Etwas einfacher gesagt: eins plus eins gibt zwei, weil eben eins plus eins zwei gibt. Fertig, Punkt. Das ist ein Axiom. Es bewährt sich zu jeder Zeit und an jedem Ort sehr gut.

«Jesus Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!» Auch dieses Axiom kann wissenschaftlich nicht bewiesen werden, aber es bewährt sich zu jeder Zeit und an jedem Ort sehr gut: Bei allen, die an den Auferstandenen glauben und von ihm berührt und bewegt sind. Diejenigen, die an ihn glauben, glauben, und diejenigen, die nicht an ihn glauben, glauben eben nicht. Ist doch logisch, oder?

Nein, so einfach ist es doch nicht. Der Glaube an den Auferstandenen hat nichts mit Mathematik und nichts mit empirischen Erkenntnissen zu tun. Umso mehr hat er mit dem Leben der Menschen zu tun. Sie spüren die Kraft, den Trost, die Versöhnung, die Liebe Gottes. Und sie spüren das Bedürfnis, diese Erfahrungen in den Beziehungen zu ihren Mitmenschen zum Ausdruck zu bringen. Dadurch können auch jene berührt und bewegt werden. Ob sie sich dessen dann ausdrücklich bewusst sind oder nicht: Sie erfahren, dass der Auferstandene wahrhaft lebt: Hier und heute.

Die Tatsache, dass die Auferstehung nichts mit mathematischer Logik und empirischer Erkenntnis zu tun hat, lehrt uns auch etwas anderes (Achtung, nicht erschrecken! Nach dem nächsten Satz schnell weiter lesen): Wir glauben nicht, dass Jesus auferstanden ist. Wir glauben es höchstens so, wie wir glauben, dass Caesar Gallien erobert hat. «Ganz Gallien?» zweifeln die Verfasser von «Asterix und Obelix». «Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?», fragte Bertold Brecht. Wir glauben nicht an ein Ereignis. Wir glauben an den Auferstandenen: an den lebendigen Gott, der uns in Jesus Christus als Mensch begegnet. Das ist viel radikaler als der Glaube an ein Ereignis weit zurück in der Geschichte. Unsere Beziehung zum Auferstandenen macht die Qualität unseres Glaubens aus.

«Er ist wahrhaftig auferstanden» ist der ansteckende Osterruf, der für Glaubende so logisch ist, wie dass eins plus eins zwei ergibt. Tragen wir diesen Ruf hinaus, in unseren Alltag, durch unser Leben, im Wort und durch die Tat. Dann ist er ansteckend. Und er wird sich bewähren, zu jeder Zeit und an jedem Ort.

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