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Kirche in den Medien – nicht zu verwechseln mit der Kirche, die lebt

Wenige Tage, nachdem der Churer Bischof Pfarrer Bucheli aus Bürglen aus dem Amt entfernen wollte, erhielt ich den Anruf einer Journalistin, wie wir es denn in der Reformierten Kirche mit der Segnung von homosexuellen Paaren hielten. Ich erklärte ihr, dass die Möglichkeit, Menschen in besonderen Lebenssituationen zu segnen, seit 2001in unserer Kirchenordnung verankert sei. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, zwei homosexuelle Menschen zu segnen, die sich entschliessen, ihren Lebensweg gemeinsam zu gehen. Ich präzisierte, dass keine Pfarrperson und keine Kirchgemeinde gezwungen werden könne, es müsse für alle Beteiligten stimmen. Meine Auskunft machte keine Schlagzeilen.
Fast gleichzeitig mit der Frage nach der Segnung homosexueller Paare machte
die Meldung Furore, dass der Sprecher der Bischofskonferenz auf Druck konservativer Kräfte hin entlassen wurde, und dass aus Protest dagegen zwei Mitglieder der katholischen Medienkommission den Hut genommen hätten.
Die konservative, hierarchische Kirche, die nicht bei den Leuten ist, macht offensichtlich mehr Presse, als die Kirche, diewirklich gelebt wird.
Dazu passen auch die einige Wochen zuvor grossflächig abgedruckten Äusserungen des Churer Generalvikars, die Landeskirchen, auch die evangelischreformierten, gehörten abgeschafft. Die Kirche im Niedergang und im Rückzug kommt in der Zeitung oft gross heraus.
Warum mich das zurzeit so beschäftigt? Weil mir neulich ein Journalist ausrichten
liess, ein Frontseitenbeitrag zu einem grossen kirchlichen Festtag wie Ostern
oder Pfingsten sei aus «prinzipiellen Überlegungen» nicht möglich. Auf Nachfrage
hin erhielt ich die Präzisierung: Die Kirchen werden ja immer kleiner.
Es stimmt: Wir verlieren Mitglieder, unsere Kirchen sind am Sonntag selten
berstend voll. Aber die drei Aargauer Landeskirchen umfassen zusammen
immer noch rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner unseres
Kantons: gut 400’000 Menschen. Ich kenne keine Organisation mit einer so
breiten Mitgliederbasis. Die Kirche wird auch in den Medien immer
wieder unterschätzt. Vielleicht hat es sogar mit uns selber zu tun. Je mehr wir
in der Zeitung lesen, die Kirchen seien auf dem Verliererpfad, desto grösser
wird die Gefahr, dass wir es am Ende selber glauben. Das frustriert und macht
mutlos. Dabei leben wir aus einer grossen und guten Botschaft für die Menschen in unseren Gemeinden, in unserem Kanton. Nicht alles, was in der Kirche geschieht, ist medientauglich; vieles geschieht im Stillen.
Und doch: Wir können uns dem Trend nicht entziehen. Wie sehr freue ich mich
da, wenn sich Journalisten für die kirchliche Präsenz an Hochzeitsmessen, für
die Einsetzung von Pfarrpersonen oder für einen jungen Kollegen interessieren,
der die Sonntagsschule wieder einführen will. Seien wir einfach Kirche im Licht
des Evangeliums, mitten in unserer Gesellschaft, freudig und nah bei den
Menschen. Das macht Mut und ist ansteckend.
Und wer weiss: plötzlich steht es sogar in der Zeitung!

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