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Kriege und Flüchtlinge – wer bezahlt die Zeche der Weltpolitik?

Unglaublich viele Menschen sind auf der Flucht. Ich habe mir schon überlegt: Was müsste geschehen, damit ich die Schweiz, meine Heimat, bei Nacht und Nebel verlassen würde?

Durch Netzwerk Asyl habe ich Simon (Name geändert) aus Eritrea kennengelernt. Er hat mir die Frage so beantwortet: «Mit 16 Jahren schliesst du in Eritrea die Schule ab und musst dann ins Militär. Im Militär bekommt man kein Geld. Die Familie sieht man einmal, mit Glück zwei Mal im Jahr. Freizeit gibt es nicht. Kritik an der Regierung wird mit Gefängnis bestraft. Irgendwann verlierst du den Sinn des Lebens. Weshalb sollte man noch Leben? Kein Geld, keine Ausbildungschance, keine Möglichkeit eine Familie zu gründen, keine Zukunftspläne die man umsetzen könnte. Auch Familienväter und Frauen werden ins Militär eingezogen unter den gleichen Bedingungen. Ich habe keinen Sinn mehr im Leben in Eritrea gesehen. Die Flucht nach Europa war meine einzige Chance. Auf der Flucht riskierte ich mein Leben. Wäre ich erwischt worden, hätten sie mich sofort erschossen. So geht es vielen in Eritrea. Zur Zeit herrscht Waffenstillstand, aber das bedeutet noch lange nicht Frieden. Nach wie vor herrscht in Eritrea eine Diktatur.»

… Irgendwann verlierst du den Sinn des Lebens. Weshalb sollte man noch Leben? Kein Geld, keine Ausbildungschance, keine Möglichkeit eine Familie zu gründen, keine Zukunftspläne die man umsetzen könnte …

Simon kannte die Schweiz nicht. Es war ein grosser Kulturschock für ihn. Aber, er hat es geschafft. Er hat Hochdeutsch gelernt und kann jetzt als Übersetzter und Kulturvermittler mit jugendlichen Asylbewerbern und Flüchtlingen arbeiten. Eigentlich arbeitet er als Sozialarbeiter, hat natürlich nicht den gleichen Lohn wie ein Schweizer, obwohl er die gleiche Arbeit macht. Trotzdem ist er zufrieden.

Simon hat mir erklärt, dass es Flüchtlinge gibt, die enorme Schwierigkeiten haben unsere Sprache zu lernen, nicht weil ihnen die nötige Intelligenz fehlt, sondern, weil sie so traumatisiert sind, dass eine neue Sprache keinen Platz in ihrem Kopf hat. Integration in der Schweiz findet er schwierig, weil er die Schweizer als sehr zurückhaltend kennengelernt hat. Ich denke, ich weiss was er meint. In solchen Momenten frage ich mich, wie wir darauf kommen von einer offenen Schweiz zu sprechen.

Auf meine Frage, woher die Waffen für Eritrea stammen, erwähnte Simon unter anderem Russland … und die Schweiz. Eigentlich spielt es für mich keine Rolle woher die Waffen kommen, es wird keinen Frieden geben, solange Waffen geliefert werden. Ob wir es glauben wollen oder nicht, Europa, dazu gehört auch die Schweiz, trägt seinen wirtschaftlichen Teil zum Krieg in den südlichen Ländern bei. Denn es gilt nach wie vor Geld vor Moral und Ethik. Deshalb finde ich, dass wir verpflichtet sind Flüchtlinge aufzunehmen. Wir bezahlen damit die Zeche der Weltpolitik, oder?!

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