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Kühler Kopf und warmes Herz für Asylsuchende

Foto: Kühler Kopf und warmes Herz für Asylsuchende
Bild eines Flüchtlings, der im Asylzentrum Bremgarten untergebracht war und von einer Seelsorgerin der Landeskirche betreut wurde, Foto: Marie-Eve Morf

Die Situation der Flüchtlinge aus Irak und Syrien bewegt uns weiterhin und zunehmend. Die Debatte um die Frage, wie wir darauf reagieren sollen, wird emotional geführt, auch in unserer Kirche. Mein Aufruf vom Mai, in Kirchgemeinden und bei Privaten nach geeigneten Unterkünften zu suchen, hat etwas ausgelöst. Etliche Kirchgemeinden und Private meldeten sich bei der Landeskirche und wir konnten sie an den kantonalen Sozialdienst weiter verweisen.
Im Nachhinein ist mir bewusst, dass wir zu wenig gut vorbereitet waren.
Wir hatten noch keine Erfahrungen. Eine Reihe von Gemeinden hat diese Erfahrungen inzwischen gesammelt: von denen, die mit einigem Aufwand tatsächlich Wohnraum zur Verfügung stellen konnten bis zu jenen, denen
unüberwindliche feuerpolizeiliche Auflagen gemacht wurden.
Da und dort gab es auch Widerstand aus der Bevölkerung oder eine Absage von der politischen Gemeinde. In einer Kirchgemeinde wurde erwogen, dem Kanton Land für das Aufstellen von Wohncontainern zur Verfügung zu stellen. Diese Idee liegt im Moment auf Eis. Es muss sich noch weisen, ob und wie es weitergehen kann. Nach wie vor sucht der Kanton Land für temporäre, mobile Wohn-Container. Sicher ist: An der politischen Gemeinde vorbei kann und sollte keine Kirchgemeinde etwas machen. Eine Aktion der Kirchgemeinde sollte die Bevölkerung nicht spalten oder den Gemeinderat gegen die Kirchenpflege aufbringen.
Nachhaltige Lösungen müssen breit abgestützt sein. Dafür braucht es Hartnäckigkeit, Ausdauer und Verhandlungsgeschick vor Ort. Angesichts der Not der Flüchtlinge wird zunehmend deutlicher, dass es immer weniger um Asylpolitik, und immer mehr um die Verhinderung einer humanitären Katastrophe geht. Der Winter steht vor der Tür. Es darf nicht sein, dass in der Schweiz Flüchtlinge an Bahnhöfen, unter Brücken oder in Zeltenübernachten müssen.

Als Kirche können wir nicht abseits stehen. Aber wir können über politische Vorlieben hinweg zusammenstehen. Bewahren wir einen kühlen Kopf und ein warmes Herz. Das Evangelium verpflichtet uns, im Fremden Christus selber zu erkennen, der gesagt hat:

«Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.» (Mt. 25, 35).

Lassen wir uns nicht von der aktuell durch den Wahlkampf noch verstärkten Polemik in der Asylpolitik verführen. Setzen wir uns ein für eine christlich motivierte Humanität, die ihre Kraft aus dem Glauben an Jesus Christus schöpft. Ein Lächeln und ein freundliches Wort. Ein Dach über dem Kopf, ein Deutschkurs, eine Einladung zu einem Anlass der Kirchgemeinde, Seelsorgegespräche und Gottesdienste im Bundesasylzentrum: Im Namen unserer Kirche und unserer Kirchgemeinden geschieht bereits viel für Asylsuchende und Flüchtlinge. Aber wir können noch mehr tun. Die Fachstelle Weltweite Kirche und Migration unterstützt Kirchgemeinden und Personen aus Kirchgemeinden, die Wohnraum zur Verfügung stellen möchten, Freiwilligenarbeit leisten oder andere Ideen für und mit Asylsuchenden umsetzen wollen.

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1 Kommentar

  1. mit respekt und dankbarkeit höre ich, was andere tun, was ich nicht könnte. ein hindernis ist mir mt 25, obschon ich auch der meinung bin, dass das tun der wahrheit oder ihre verdrängung konsequenzen hat, durch die wir dann belohnt oder gestraft sind (joh 3.21, rm 1.18). ungeniert kurz: ein solcher narzisst hat nicht über das ewige leben und die ewige strafe zu urteilen. aber das menschenfreundliche verhalten – was immer es konkret für jemand bedeutet – unterschreibe ich. bei mir geht dabei das feuer etwas weiter hinauf als bis zum herz.

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