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Lauter biedere Hausfrauen!

Foto: Lauter biedere Hausfrauen!

Seit vielen Jahren bin ich im Vorstand unseres Frauenvereins. Mit Begeisterung kümmere ich mich um das jährliche Kerzenziehen am Bazar und auf dem Adventsmarkt und stehe regelmässig in der Küche, um bei der monatlichen „Freitagssuppe“ für ca. 80 Personen zu kochen.

Ich mag das Miteinander der Frauen, die Kollegialität, das Lachen und den freiwilligen Einsatz für andere Menschen.

Wir bieten einen Seniorenausflug an, besagten Suppenzmittag mit viel Gemeinschaft gewürzt, eine Ludothek für Spielfreudige, eine Geschenkaktion für Alleinstehe an Weihnachten. Das Ganze wird mit Spenden, Mitgliederbeiträgen und dem Gewinn aus dem Kerzenziehen finanziert. Wenn wir Ende Jahr Geld übrig haben, dann unterstützen wir Institutionen im In- und Ausland, damit sie ihrerseits etwas Gutes tun können!

Da trifft es mich immer wieder, wenn Kolleginnen, Bekannte und andere Gesprächspartner mich mit schierem Entsetzen anschauen, wenn ich vom Frauenverein erzähle.

Das sei doch etwas für ältliche, biedere Hausfrauen. Keine moderne, junge Frau würde sich so etwas antun! Da ich selber noch keine 40 Jahre alt war, als mein Engagement begann und mich durchaus als modern bezeichnen würde, versuche ich immer wieder, diese Aussage sanft zu entschärfen und zu korrigieren.

Aber ich fürchte – viele denken ähnlich. Denn unserem Frauenverein gehen langsam aber sicher die Frauen aus. Natürlich können wir dies gesellschaftlich erklären – die Frauen haben entweder kleine Kinder oder sind beruflich engagiert. Die unternehmungslustige Hausfrau, deren Kinder am Ausfliegen sind und die noch freie Zeit für anderes hat, gibt es immer weniger.

Aber ich vermute noch eine anderes Phänomen dahinter: Der Verlust der Geisteshaltung, dass es schön und befriedigend ist, sich für andere Menschen einzusetzen, Zeit zu schenken, ohne etwas dafür zu erwarten.

Vielleicht brauchen wir einen neuen Namen, vielleicht hört sich „Frauenverein“ altbacken an. Vielleicht brauchen wir eine grosse Werbekampagne…

Oder vielleicht brauchen wir einfach mehr Menschen, die hinstehen und sagen „Ich gebe gerne einen Teil meiner Freizeit und meiner Begabungen für den Dienst für die Gemeinschaft!“ Und wenn man die Freude und Befriedigung, die man dabei empfindet, auch ausstrahlt, dann gilt „figugegl“: „Frauenverein isch glatt und git e gueti Luune!“

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