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Modisch auf der Kanzel – oder lieber brav

Ich mag Mode. Und ich mag sie farbig. Verspielt und romantisch. Weiblich aber ohne Kitsch.

Leider ist der Talar, den viele Pfarrer im Gottesdienst tragen, schwarz. Streng. Neutral.

Kurz gesagt: nichts für mich!

Als Vikarin ging ich dann auf die Suche nach dem ultimativen Gottesdienst-Kleid. Zwar hatte ich als Studentin in Rom eine wunderschöne Albe (katholische Tunika) gesehen in einem herrlichen Himmelblau mit Blütenranken und Vögeln zart darauf gestickt. Der Sonnengesang von Franz von Assisi in Stoff verewigt.

Unmöglich für einen Mann – perfekt für mich. Dachte ich wenigstens. Aber in Rom wird man als Frau in einem Laden für liturgischer Gewänder nicht bedient. Ausser frau ist eine Nonne.

Weil ich das nicht bin, musste ich mich mit dem Kleiderangebot der Basler Geschäfte begnügen. Die Auswahl war nicht leicht, denn die Kriterien für das ultimative Kleid waren klar: Elegant, aber nicht festlich. Dezent, aber doch jugendlich. Farbig ohne poppig zu sein. Schlicht, aber nicht langweilig.

Die Rocklänge beim Knie – denn zu kurz kann man als Frau Pfarrer nicht tragen.

Nach langem Suchen wurde ich endlich fündig: Ein Bleistiftrock in schwarz (na ja… Kompromisse muss man eingehen) eine Bluse in Fuchsia mit grossen Rosen und ein passender Bolero. Ich war ja so glücklich!

Nur hatte ich damals die Rechnung ohne meine Gemeinde gemacht: Bei der Konfirmation glaubte der Fotograph ich sei eine Konfirmandin. Vor dem Gottesdienst fragte mich jemand nach meinem Vater – den Herrn Pfarrer – und bei den Hochzeiten hielt man mich für einen Gast.

Irgendwann habe ich dann kapituliert – und mir einen Talar gekauft.

Er ist schwarz. Streng. Neutral. Und sooooo praktisch!

Aber wenn ich ehrlich bin…manchmal träume ich immer noch von einer hellblauen Variante mit bestickten Blumen und Vögel am Saum!

 

 

 

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8 Kommentare

  1. Schon mal über eine schöne farbige Stola nachgedacht? Ich trage seit Jahren eine Stola aus Lateinamerika, die von der Gemeinde sehr geschätzt wird. Oder ist das zu katholisch? Dieser Vorwurd wurde in der Gemeinde nie geäussert. Für mich ist es ein Zeichen der Ökumene und eine Möglichkeit, vom reinen Schwarz, das ich auch eher distanzierend empfinde, wegzukommen. Schau doch mal unter:
    http://www.wasmer.de/dritte-welt-stolen.html
    Ich trage übrigens die erdfarbene Guatemala-Stola.

    • Nadine Hassler Bütschi 2. März 2015 um 19:25 Antworten

      Lieber Dietrich – Danke für Deinen Hinweis. Als Reaktion auf meine Gedanken zum Talar hat mir jemand bunte Beffchen von Wasmer geschenkt. 🙂
      Bei ökumenischen Gottesdiensten im Dorf leihen mir die katholischen Kollegen immer eine Stola aus – das ist jeweils ein ökumenischer Farbklecks!

  2. Nadine Hassler Bütschi 12. September 2014 um 21:25 Antworten

    Lieber Stefan – Rätsel gelöst. Danke! Und so werde ich am Sonntag für den Erntedank Gottesdienst mit gutem Gewissen meine schöne Gotthelftracht anziehen. Hier stellt sich die Farbefrage: blaue Schürze oder rosa Schürze….
    Griessli, Nadine

  3. Nadine Hassler Bütschi 12. September 2014 um 21:23 Antworten

    Lieber Roland – ob das nur für Zürich gilt, frage ich mich? Denn ich habe viele Amtskolleginnen und Amtskollegen, die keinen Talar tragen. Und mein „Vikariatsvater“ war entschieden dagegen! Ich glaube fast, ich muss unsere Kirchenordnung mal genauer lesen! Liebe Grüsse, Nadine

  4. Nadine Hassler Bütschi 12. September 2014 um 21:20 Antworten

    Liebe Sonja – ich mag den Ausdruck „Sonntagszelt mit den grossen Taschen“ – es erinnert mich in der Tag an ein Zelt! Und während der Schwangerschaft hat es alles wunderbar kaschiert. Aber ich habe in der Zwischenzeit einen kleinen Trick für etwas Farbe ins Ganze erhalten: eine liebe Seele hat mir vor einigen Tagen zum Geburtstag ein Beffchen mit einen bunten Regenbogen geschenkt. So bleibe ich Traditionell und zeigen doch etwas Farbe! Liebe Grüsse, Nadine

  5. In der Zürcher Landeskirche erledigt sich die Diskussion eigentlich:
    Kirchenordnung: Art.36 Abschnitt 4:“Pfarrerinnen und Pfarrer tragen in der Regel den Talar.“
    D.h.: Wer keinen Talar (und hier ist der klassische Schwarze gemeint!) trägt, muss das begründen. Ekklesiologisch gibt es eigentlich nur eine Instanz, die der Pfarrperson eine Dispens im Bezug auf das Tragen des Talars geben kann: die Gemeinde, d.h. die Kirchgemeindeversammlung.
    Es liegt hier eigentlich also nicht in der Kompetenz der Pfarrperson, über Tragen oder nicht Tragen des Talares zu entscheiden!

  6. Kann ich nachfühlen! Der Talar ist eben auf seine eigene Art ’neutral‘. Man ‚verschwindet‘, ist aber gleichzeitig sehr sichtbar (wie eine Muslima in ihrer Burqua). Habe auch mal Privatgarderobe versucht, aber dann hat plötzlich jede(r) eine Meinung und die Farbe des Schals wird zum Politikum. Da lob‘ ich mir mein ‚Sonntagszelt‘ mit der grossen Tasche 🙂

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