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Ostern – «so sicher wie das Amen in der Kirche»

Foto: Ostern – «so sicher wie das Amen in der Kirche»

Neulich schnappte ich beim Joggen einen Gesprächsfetzen von einem spazierenden Ehepaar auf: «Das isch doch so sicher wie’s Amen i der Chile!» hörte ich die Frau zu ihrem Mann sagen. «So sicher wie das Amen in der Kirche» – wie oft haben wir diesen Spruch schon gehört, vielleicht schon selber gesagt?
Doch: Ist das Amen in der Kirche sicher? Die Gedanken drehten sich in meinem
Kopf. Amen: Klar, als Wort kommt es in jedem Gottesdienst mehrmals vor. Aber das, was es bedeutet, ist das in der Kirche «sicher»? Das Wort «Amen» gehört im Hebräischen zum gleichen Wortstamm wie «Emuna»: Glaube, Treue, Vertrauen. Amen heisst also nicht nur: «So sei es» oder «Das glaube ich». Es heisst dem Sinn nach auch: «Gott ist treu, ich nehme seine Treue an, ich vertraue auf Gott, ich bin treu.» «Amen» bezeichnet ein Beziehungsgeschehen zwischen Gott und den Menschen. Wenn also das Amen in der Kirche – nicht nur als liturgisch gesprochenes Wort, sondern von seiner Bedeutung her – «sicher» ist, dann ist gewiss, dass es eine Beziehung zwischen Gott und den Menschen gibt. Dann ist gewiss, dass diese Beziehung von gegenseitigem Vertrauen, Treue und Dauerhaftigkeit geprägt ist und von Gott ausgeht. Mein Amen ist die Antwort auf die Treue Gottes.
Wir stehen in der Passionszeit, kurz vor Karfreitag und Ostern. Als Sterbender
soll Jesus am Kreuz geschrien haben: «Mein Gott, mein Gott, warum hast
Du mich verlassen?» Im qualvollen Tod zweifelt Jesus an der Treue Gottes.
Von der uralten und heute noch hoch aktuellen Frage, warum Gott Leid und
Leiden zulässt, bleibt auch Jesus nicht verschont. Mich beschäftigt diese Frage
in den letzten Monaten intensiver als auch schon: Warum nur dieses Leid in
Kriegsgebieten im Osten Europas, im Nahen und Mittleren Osten, warum nur
diese sinnlose und grausame Gewalt der IS- und der Boko Haram-Terroristen?
Doch: noch vor dieser Frage, warum Gott das alles zulässt, steht eine andere:
Warum sind Menschen immer wieder in der Lage, einander Gewalt, Leid und
Schmerz zuzufügen? Und wie kommen sie dazu, das sogar unter dem Vorwand
des Glaubens, der Religion zu tun? Ich weiss es nicht. Allein, dass sie es immer
wieder tun werden, steht für mich ausser Zweifel (um nicht zu sagen, es sei
«so sicher wie das Amen in der Kirche»). «So sicher wie das Amen in der Kirche» ist nämlich nur, dass Gott dem Wüten der Menschen die Auferstehung und das Leben entgegensetzt. Das bezeugt er an Ostern.
Der Osterruf «Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!» ist stärker als der Todesschrei. Wir sind Kirche, um diese Hoffnung zu bezeugen. Diese Hoffnung wird uns die Warum-Frage nicht beantworten. Aber sie wirkt präventiv gegen Keime von Ausgrenzung, Respektlosigkeit oder subtiler Gewalt,
wie sie sich auch in unseren eigenen Herzen einnisten können. Gott hat dem
etwas entgegenzusetzen: Seine Treue; den Sieg des Lebens über den Tod. Gottes «Amen» zu jedem Menschen, der sich für seine Treue öffnet, ist gewiss. Das ist «so sicher wie das Amen in der Kirche».

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