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„Ostern wird jöö“

Foto: „Ostern wird jöö“

Eigentlich gehe ich davon aus, dass die Werbetexter meines Lieblingssupermarktes ausschliesslich an flauschige Häschen, süsse Küken und putzige Schäfchen sowie jede Menge Schokolade dachten, als sie den Slogan «Ostern wird jöö» kreierten. Der christliche Ursprung dieses Festes wird ausgeblendet und übrig bleibt ein Familien- und Frühlingsfest. Ich hatte schon im letzten Jahr grosse Mühe mit diesem Slogan und boykottierte darum konsequent diesen Supermarkt während der Passionszeit. Und in diesen Tagen taucht der Werbetext nun wieder auf.

Natürlich verstehe ich, dass eine Supermarktkette politisch und religiös neutral bleiben muss, aber wäre es dann nicht ehrlicher gewesen, gar nicht mit dem Wort «Ostern» Reklame zu machen?

Der Kontext von Ostern ist ein leidvoller Kontext. Er erzählt von Verrat, Einsamkeit, Schmerz und Wut, von Angst und Ohnmacht, von Verzweiflung und Tod. Er erzählt vom menschlichen Leben, wie es mir immer wieder begegnet: das Entsetzen über eine Krebsdiagnose, der Kampf mit einer Krankheit, der plötzliche Herzstillstand eines geliebten Menschen, der altersbedingte Verlust seiner Möglichkeiten und Freiheiten, das demente Vergessen des eigenen «Ichs», die Beziehung, die in die Brüche gegangen ist, der unerfüllte Kinderwunsch, die Einsamkeit im Alter, der Verlust von Heimat und Existenz und vieles mehr.

Das menschliche Leben führt durch manche Höhen, aber leider auch durch ebenso viele Täler. All das sind Momente, mit denen jeder Mensch alleine fertig werden muss, auch dann, wenn Familie, Freunde und Nachbarn ihn mit viel Anteilnahme begleiten.

Unser Glaube erzählt, dass wir in diesen Tälern nicht alleine sein müssen, nicht alleine sind, sondern dass Gott mitgeht, uns hält – auch dann, wenn wir den Schritt ins Jenseits machen. Und zwar der Gott, der selber Leid und Schmerz, Verrat und Einsamkeit, Verlust und Tod erlebt, durchlebt hat.

Ohne Karfreitag ist Ostern tatsächlich ein «jöö»-Schokoladenfest. Aber ich benötige in meinem Leben mehr, ich brauche die Gewissheit eines Hiobs, der in seinem ganzen Elend vertraut: «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt». Und das feiern wir an Ostern. Wir feiern das Leben, trotz all dem Schweren und dem Leid, das in dieser Welt und in einem menschlichen Leben vorhanden sein kann. Wir feiern das Leben, das in der Liebe Gottes eine Perspektive der Hoffnung und der Zuversicht erhält, ohne das Schwere zu verniedlichen.

Ostern ist für mich darum immer wieder das grosse Aufatmen. Die Quelle, um Mut zu schöpfen für das Leben und für das Miteinander. So gestärkt kann ich dann auch vergnügt ein Stück Schokolade in den Mund stecken und zur österlichen Dekoration «jöö» sagen.

 

Bild: Das leere Grab  – Ausschnitt aus dem „Ostergarten“ von Rued

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3 Kommentare

  1. Ich nage auch an «Ostern wird jöö». Ich habe mich gefragt, wie das Lämmli in diese Konstellation kommt. Bibeli ist klar, Eier legen, Häsli Eier anmalen und verstecken. Und das Lämmli? Da ist mir der Vers in den Sinn gekommen: «Siehe das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt.»

  2. als ehemaliger fleissiger hebräischschüler – da es mir zuwider war, diese sprache zu lernen, motivierte ich mich dadurch, dass ich der beste war – denke ich bei „jöö“ sogleich an jahwe. so heisst zb joachim „jahwe richtet auf“ und jesus (jeschua, jehoschua) „jahwe rettet, befreit“. das ist ostern! was wollen Sie mehr? 😉

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