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Pfingsten live

Foto: Pfingsten live

Pfingsten in der Kirche war schön. Feierlich, besinnlich. Mein eigentliches Pfingsten habe ich aber dieses Jahr woanders erlebt: an der kantonalen Schule für Berufsbildung KSB in Aarau. Das war so:

Die jungen Leute im Integrationsprogramm der KSB hatten Projektwoche und luden zum Abschluss am Freitagabend zu Präsentationen ein. Toll, wie sich die jungen Eritreerinnen, Afghanen, Tibeter, Portugiesen, Syrerinnen usw. durch ihre deutschen Vorträge kämpften, mit Power Point und allem, was dazugehört. Danach aber kam es: Zum Abschluss, ebenfalls die Projektarbeit einer Gruppe, waren alle zu einem grossen Apéro eingeladen.

Auf einem bestimmt zwanzig Meter langen Buffet standen Speisen aus allen 28 Ländern, denen die Leute im Integrationsprogramm entstammen.

Aus allen Denominationen war dafür gekocht worden! Es war toll, ich konnte unmöglich von allem kosten. Wohl über 200 Leute tummelten sich im Saal der Berufsschule, ein buntes Durcheinander von Hautfarben, Kleidung, jung und alt. Wir sassen auf einer Treppenstufe und schauten zu, wie eine junge Frau aus Eritrea inmitten von einigen Rechaudkerzen einen traditionellen Kaffee zubereitete, mit mehrmaligem Umschütten in schlanken Tongefässen. Die Stimmung war gelöst und fröhlich, und es durchzuckte mich: Das war Pfingsten! So viele verschiedene Leute, Geschichten, Sprachen, so viele strahlende Gesichter, so ein summendes, lustiges Durcheinander. Wenn es nur immer so sein könnte! Ich weiss, dass der Alltag für viele von ihnen schwer und hart ist, ich weiss, dass vielen von ihnen der Weg der Integration nicht leicht fällt. Deutsch ist schwer, viele haben keine Familien hier und wohnen in Asylunterkünften. Viele haben noch keine Aussicht auf eine Lehrstelle.

Aber hier, dieser kleine feine Moment des gemeinsamen Feierns, das war ein Pfingstwunder. Hier sah man das Potential, das in diesen jungen Leuten steckt, ihren Stolz, ihre Freude, ihre Zuversicht trotz allem.

Hier leuchtete etwas auf. Hier war Frieden und Verständigung (auf Deutsch!) zwischen Menschen aus 28 Ländern. Und das alles an einem Freitag den 13. 🙂

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5 Kommentare

  1. schöner Beitrag. Danke. Es ist an der Zeit dass wir zusammenrücken, Handeln bringt uns weiter. Worte und Gedanken sind gut, aber reichen nicht. Ich wünsche mir dass sich die Kirche mehr investieren würde in verschienste Projekte, fur jung und alt, miteinander, Projekte wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung, uvm.

    • Ja, in der Tat! Aber „die Kirche“ bemüht sich und tut vieles, wir sind also dran. Angefangen bei der Seelsorge für betroffene Menschen, über die diskrete und unbürokratische Unterstützung aus den Spendgutkassen der Pfarrämter, dem Fonds für Ferienhilfe der ref.Landeskirche, der Stiftung Diakonierappen, den vielen engagierten Gruppen, die in den Gemeinden Räume für Begegnungen schaffen…(bsp. „integraenichen“, oder bei uns ein gartenprojekt)… bis hin zur professionellen Sozialarbeit beim HEKS auch im Inland. Schauen Sie sich einmal die Homepage beim HEKS Aargau-Solothurn an! Das ist auch die Arbeit der Kirchgemeinden, die letztlich die Trägerschaft dieser Arbeit bilden. „Wunsch: Dass Gott ein Tätigkeitswort werde“ (Kurt Marti)

  2. Lieber Martin,
    Über deinen Erlebnisbericht, wie Pfingsten auch sein kann, damit auch eine Herausforderung an uns Christen, gefällt mir. Ich denke die Zeit ist gekommen, wo wir uns Christenmenschen uns hinterfragen müssen und dürfen, was ist Chrsitsein heute.
    Dir,lieber Martin, weiterhin Fottes Segen in deinem Tun.
    Hezlich Lotti Meier

  3. Christine Straberg 15. Mai 2016 um 14:51 Antworten

    Lieber Martin!

    Danke für dieses berührende Pfingstwunder!
    Es bewegt mich sehr und es ist ein Zeichen der Hoffnung.

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