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«… und die Wahrheit wird euch frei machen»

Gedenktafel zur Einweihung der reformierten Kirche Reinach im Jahr 1529 mit dem Berner Bär / Foto: Markus Hässig
Gedenktafel zur Einweihung der reformierten Kirche Reinach im Jahr 1529 mit dem Berner Bär / Foto: Markus Hässig

Reformation feiern – eine neue Tradition zum Reformationssonntag
Kann man eine neue Tradition gezielt beginnen? Kann man das ausgerechnet im Umfeld des Reformationssonntags? Und ist das nicht ein Widerspruch in sich: Reform und Tradition? Wie auch immer, wir versuchen es. Zum ersten Mal in diesem Jahr, zum Auftakt des Reformationsjubiläumsjahres 2017, feiert die Landeskirche am 6. November zusammen mit einer Aargauer Kirchgemeinde den Reformationssonntag.

Wir fangen mit dieser neuen Tradition in Reinach an: Am 6. November, um 9.30 Uhr, in der reformierten Kirche Reinach AG. Die Reinacher Kirche wurde nämlich im Jahre 1529 als erste reformierte Kirche im damaligen Bernbiet gebaut. Die Reinacher jener Zeit taten sich ursprünglich etwas schwer mit der Reformation. Etliche gingen ganz gerne weiter mit den altgläubigen Luzernern  nach Pfeffikon zur Messe, andere zogen es vor, nach Gontenschwil zu gehen, wo der Pfarrer – bis zu seiner Absetzung durch die Berner Obrigkeit – fröhlich weiter die Messe zelebrierte.
Um den Reinacherinnen den Gang zur reformierten Predigt zu erleichtern, willigten die Berner sehr bald ein, in Reinach eine eigene, eine reformierte Kirche, bauen zu lassen. An erhöhter Stelle wurde sie errichtet, weit herum sichtbar – auch vom katholischen Pfeffikon her. So versuchen wir, in der ältesten, rein  reformierten Kirche des Kantons eine neue Tradition zu begründen: Die Feier  des Reformationssonntags als Landeskirche in einer Kirchgemeinde und die Besinnung auf die Reformation vor rund 500 Jahren.
Es wäre nun tatsächlich ein Widerspruch, wenn wir beim Gedenken an weit  zurückliegende Ereignisse stehen bleiben würden und dieses Gedenken seinerseits zur starren Tradition werden liessen. Die Feier der Reformation soll unseren Blick in unsere Zeit und in unsere Zukunft wenden.
Im  Zentrum der Predigt wird deshalb ein Text aus dem Johannesevangelium  stehen, der in die Zukunft weist:

«Ihr werdet die Wahrheit  erkennen und die  Wahrheit wird euch frei  machen.»  (Joh.  8,  32).

Die frei machende Wahrheit des Evangeliums steht nicht nur am Anfang der christlichen Kirche, sondern auch am Ursprung der Reformation. Sie steht am
Ursprung jeder Kraft, die uns und unsere Kirche zu erneuern vermag. Doch was ist diese Wahrheit? Wie spricht sie uns an? Wie sprechen wir von ihr? Eine Kirche, die nie aufhört, diese Fragen zu stellen, eine Kirche, die nie meint, für immer im Besitz dieser Wahrheit zu sein – das ist eine evangelisch-reformierte, sich vom
Evangelium her stets reformierende Kirche: Als Gemeinde, als Landeskirche, als Reformierte Kirche der Schweiz und als Kirche der reformatorischen Tradition weltweit.

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