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Requiem für eine Königin

Foto: Requiem für eine Königin

Sie ist die Königin der Instrumente. Ihre Stimme erfüllt Kapellen und Kirchen, Kathedralen und Dome.

Sie kann tirilieren wie ein Vogel oder eine Flöte, brummen wie ein Fagott, jauchzen wie eine Geige, quietschen wie eine alte Tür, säuseln wie der Wind und donnern wie der Sturm. Die Farben und Kompositionen ihre Klänge füllen die Ohren mit Noten aus der Renaissance, aus dem Barock, bis zur Moderne.

Sie ist eine begnadete Solistin und eine bescheidene Begleiterin.

Und sie ist tot … oder wenigsten fast … oder vielleicht hat sie auch nur ein Imageproblem, weil man sie mit altmodisch und verstaubt assoziiert.

Konkurrenz bekommt sie von asthmatischen Gitarren, Stimmen, die künstlich verstärkt werden,  Bands, deren musikalische Bandbreite im Vergleich ziemlich bescheiden ist. Aber diese sind cool, angesagt und wirken modern!

Die Orgel nicht. Wenn Paare ihre Hochzeit planen oder Familien Abschied nehmen müssen, dann wird gerne eine Alternative gesucht.

Denn die Orgel sei zu verstaubt und altmodisch. Und so bleibt sie in vielen Gottesdiensten stumm, während andere Instrumente und Stimmen den Vorzug bekommen.

Es gibt in der Tat gewisse Lieder und Musikstücke, die sich viel besser anhören und singen lassen, wenn eine Gitarre oder eine Band sie begleiten. Aber es gibt  Momente, bei denen es das musikalische Volumen der Orgel braucht, damit die Kirche bis in ihren hintersten Winkel mit Musik erfüllt wird. Da reicht kein sanften Gesäusel, keine künstlichen Dezibels – da braucht es die Tongewalt der Orgel. Denn sie kann aus den Noten einen Tonteppich weben, auf dem die Seele und das Herz schweben kann und Ruhe findet für die Länge eines Musikstücks.

Die Königin ist tot – es lebe die Königin. Und vielleicht entdecken wir sogar, dass Orgel und andere Instrumente oder eine Band einander nicht ausschliessen, sondern ergänzen!

 

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