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Sie war immer da!

Foto: Sie war immer da!

Sonst komme ich nie zu früh in den Konfirmandenunterricht. Doch meine Vorbereitungen gingen schneller als erwartet und auf dem Fahrrad kam mir in den Sinn, dass ich die vielen Fotokopien schon letzte Woche erledigt hatte. Als ich bei der Kirche ankam, sass eine Schülerin beim Eingang, über eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn. Sie stand sofort auf, kam auf mich zu und sagte: „Herr Baumann, ich komme heute zum letzten Mal in den Unterricht. Ich wohne bald nicht mehr in Oftringen.“ Und dann erzählte sie mir ihr trauriges Schicksal: All die Gründe, weshalb sie fremdplatziert, also von zu Hause fort genommen wird. Es berührte mich sehr, mit welch scheinbarer Reife sie über alles reden konnte. Ich merkte auch, wie es ihr gut tat, mir alles zu erzählen. Gegen Schluss sagte sie: „Mein Nachbar hat mich jedes Wochenende in die Kirche eingeladen und dann bin halt ab und zu mit. Dort war eine Jugendarbeiterin, mit der ich mich gut verstanden habe und die mich immer wieder ermutigt hat. Und wissen Sie, was das Schöne war? Sie war einfach immer da, wenn ich kam. Jedes Mal war sie da!“

Diese Bemerkung hat mich nicht mehr losgelassen: „Sie war einfach immer da, wenn ich kam.“ Ich glaube, dieses Mädchen, das zu Hause so vernachlässigt war, hat das Reich Gottes erlebt durch die Jugendarbeiterin, die einfach da war und sich Zeit nahm für sie. Die mit ihr gebetet hat, wenn es nötig war. Und ich hoffe auch, dass diese halbe Stunde, mit der ich mit ihr auf der Treppe sass, für sie ebenfalls ein Moment im Reich Gottes war.

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