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Soll sich die Landeskirche politisch äussern?

Foto: Soll sich die Landeskirche politisch äussern?

Auffallend oft äussert sich die Landeskirche politisch. Nein falsch, die Landeskirche kann sich ja gar nicht äussern. Nur Menschen können dies. Unser Kirchenratspräsident, Christoph Weber-Berg, ist nicht gerade omnipräsent, aber er äussert sich in letzter Zeit häufig zu politischen Themen.

Bei der Demonstration «der Anständigen» staunte ich nicht schlecht, als er an vorderster Front, unter Anderem mit den Linken, marschierte. Kürzlich zappte ich in eine Talk-Sendung des TeleM1, schon wieder unser Präsi: Zusammen mit Ruth Humbel (CVP) kämpfte er gegen die Durchsetzungsinitiative.

Unser Präsi ist ein äusserst sympathischer Zeitgenosse. Ein guter Rhetoriker, dem man gerne zuhört. Fundiert, lebendig und verständlich weiss er über Vieles zu berichten. Er besitzt die Fähigkeit, packend und interessant zu referieren. Nein, bei ihm schläft mir das Gesicht nicht ein.

Unser Präsi ist kein Sympathisant der SVP: Au contraire, eher einer der SP, das ist offensichtlich. Als Kirchenratspräsident muss er das wahrscheinlich, liegt ihm doch das Wohl aller Menschen am Herzen. Ich höre schon den Vergleich zu Jesus: Auch er hat sich nicht davor gescheut, sich zu äussern. Nur – Jesus ist göttlich und einzigartig, der Vergleich zum Kirchenratspräsidenten wirkt schon fast frech und unrealistisch. Ausserdem: Kirchenratspräsidenten kommen und gehen.

Sollte sich Christoph Weber-Berg nicht neutral verhalten, damit er nicht jenen auf die Füsse tritt, die politisch anders denken? Weder die Politik noch die Landeskirche schätzt es, wenn man sich gegenseitig dreinredet. Und trotzdem: sollen sie es tun?

In dieser Frage scheidet sich mein Geist. Eine Pattsituation. Und doch, die Frage beschäftigt mich.

Was meinen Sie? Finden Sie es richtig, dass sich unser Präsi politisch äussert? Wäre es feige, wenn er es nicht täte, Austritte hin oder her?

Falls eine Diskussion darüber entstehen sollte wäre es schön, wenn sie politisch neutral wäre.

Olivia Pinetti-Kirchhofer

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3 Kommentare

  1. Die Kirche muss sich nicht zu allen politischen Vorlagen äussern. Aber zur Durchsetzungsinitiative sollte sie es schon tun. Weil diese ethisch verwerflich ist. Weil sie grundsätzliche Menschenrechte mit Füssen tritt. Weil die „Keine-Gnade- ohne-Wenn-und-Aber“- Mentalität christlichen Werten widerspricht. Weil das erst der Anfang von einer weiterer Erosion von Grundrechten sein könnte. Die Kirche sollte sich äussern, wenn genau jene Werte in Gefahr sind, für die die Kirche steht.

  2. angesichts der befürchteten polarisierung europas: zu erwägen wäre eine vermittelnde position. das tönt zugegebenermassen nicht gerade nach jesus. er war aber auch in einer anderen situation. und gegenüber den zeloten, die mit dem staat nichts tun haben wollten, nahm er ja sogar eine vermittelnde position ein: gebt dem kaiser, was des kaisers ist, und gott, was gottes ist. zahlt steuern, heisst das in dieser konkreten situation, und allgemeiner: nicht eine staatsreligion, sondern eine religion im staat.

  3. Der Kirchenratspräsident sollte sich unbedingt auch zu politischen Fragen äussern dürfen. Er reiht sich ja nicht einfach in die parteipolitische Rednerliste ein, sondern er bringt die christliche Sicht in die Diskussion ein. Das ist seine Aufgabe, und ich bin ihm dankbar, dass er sie so mutig wahrnimmt.

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