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Unserer Kirche ein Gesicht geben

2017 wurden insgesamt vier Fernsehgottesdienste aus dem Aargau über die Kanäle von SRF in die ganze Schweiz ausgestrahlt. So auch die Jodelliturgie aus der Stadtkirche Zofingen. Foto: Mark Wyss
2017 wurden insgesamt vier Fernsehgottesdienste aus dem Aargau über die Kanäle von SRF in die ganze Schweiz ausgestrahlt. So auch die Jodelliturgie aus der Stadtkirche Zofingen. Foto: Mark Wyss

Anfang Januar hat der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) im gleichen Sinn wie die Bischofskonferenz gegen die No Billag-Initiative Stellung bezogen. Mischt sich hier die Kirche wieder einmal in die Politik ein und erst noch in einem Gebiet – Finanzierung des Radio- und Fernsehangebots der SRG – das doch gar nichts mit Kirche zu tun hat? Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass sich die Kirche aus verschiedenen Gründen über die Billag-Gebührenfrage hinaus mit der Qualität und den Inhalten der öffentlichen Medien beschäftigen muss.

Problematischer Trend
No Billag nimmt einen meiner Meinung nach sehr problematischen Trend auf: Dass man nur noch für das zahlen möchte, was man selber nutzt und was einen nicht aufregt. Da müsste ich ein flammender Befürworter von No Billag sein. Ich habe nämlich fast keine Zeit zum Fernsehen und höre nur selten Radio. Aber es geht um viel mehr, als um das, was mir persönlich nützt und mich interessiert. Es geht darum, ob ich bereit bin, ein Medienangebot mitzutragen, das den Zusammenhalt unseres Landes und die unabhängige Meinungsbildung in der direkten Demokratie stärkt und das, nebenbei bemerkt, auch gezielt das musikalische und kulturelle Schaffen in unserem Land fördert.

Was unmittelbar nützt
Mit der «Ich-zahle-nur-noch-was-mir-nützt-und-was-mir-passt Mentalität» kämpfen wir auch in der Kirche. Denn auch die Kirchgemeinden und die Landeskirche sind darauf angewiesen, dass Menschen die Anliegen unserer Kirche mittragen und mitfinanzieren, selbst wenn ihnen persönlich das, was die Kirche tut, heute unmittelbar nichts nützt und sie sich vielleicht darüber ärgern, dass sich die Pfarrerin oder der Pfarrer in dieser oder jener Weise politisch geäussert hat.

Kirchen sind Partner von SRF
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Landeskirchen indirekt Partner von Radio und Fernsehen SRF sind. Über die Reformierten Medien haben wir einen Vertrag mit SRF bezüglich der Ausstrahlung des «Wort zum Sonntag» und der Radio- und Fernsehgottesdienste. Bis Ende 2016 hat zum Beispiel Pfarrer Martin Kuse aus Möriken-Wildegg während zwei Jahren zum Team der «Wort zum Sonntag»-Sprecherinnen und -Sprecher gehört. Ein Aargauer Pfarrer gab der christlichen Botschaft eine verständliche Stimme, der Kirche ein sympathisches Gesicht und das zur besten Sendezeit am Samstagabend. Das Wort zum Sonntag ist zusammen mit der Tagesschau eine der ältesten Fernsehsendungen überhaupt. Und es hat nach wie vor einen so hohen Marktanteil, dass es für SRF kein Thema ist, diese verkündigende Sendung aus dem Programm zu nehmen.
2017 wurden insgesamt vier Fernsehgottesdienste aus dem Aargau über die Kanäle von SRF in die ganze Schweiz ausgestrahlt. Festliche und besinnliche, nachdenkliche und fröhliche Momente aus den Stadtkirchen von Zofingen und Aarau – übertragen in Wohnzimmer, Spital- und Pflegezimmer. Nur durch die Partnerschaft mit der öffentlich-rechtlichen, gebührenfinanzierten Radio- und Fernsehgesellschaft können die Landeskirchen (für uns kostenlos!) Sendungen produzieren, welche hunderttausenden Menschen die Botschaft des Evangeliums niederschwellig vermitteln und das Mitfeiern von Gottesdiensten von Zuhause aus ermöglichen.

Das hat seinen Wert
Das muss mir etwas wert sein, selbst wenn ich vielleicht mit dem, was in einer dieser Sendungen gesagt wurde, nicht einverstanden war. Gut möglich, dass die SRG gegenüber privaten Medienhäusern eine etwas zu starke Stellung hat. Gut möglich, dass SRF da oder dort Einsparungen vornehmen und gewisse Unterhaltungssendungen streichen könnte. Dann soll man über diese Fragen diskutieren.

Über das Ziel hinaus
No Billag schiesst aber über das Ziel hinaus und gefährdet ein wichtiges verbindendes Element der Willensnation Schweiz, das der Kirche etwas bedeuten sollte, auch und gerade, weil uns SRF – dank Gebühreneinnahmen – die einmalige Chance gibt, im Fernsehen und im Radio dem Evangelium eine Stimme, und unserer Kirche ein Gesicht zu geben.

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2 Kommentare

  1. Ich finde die Argumente sehr beschämend da sich die Kirche auch ohne no Bilag
    organisieren kann in Predigen Kirchenblätter etc. tätig ist.
    Einen Medien Koloss auf kosten teilweise auf armen Familien zu Unterstützen ist nicht sozial und Christlich. Auch werden Gewerbetreibende auch noch doppelt zur Kasse verpflichtet wie auch bei der Kirchensteuer die ein Geschäft in einer andern Gemeinde haben. Nebenbei was einige Sendungen kosten sind übertrieben
    und die Gehälter die bezahlt werden kann nur als Abzockerei bezeichnet werden.
    Mein Austritt aus so einer Kirche muss Mann sich nicht mehr überlegen . Hoffe nur das sich weiter KMU meinem Entscheid anschliessen . Walter Kälin

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