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Verdun – oder das Gedächtnis der Gesellschaft

Am 21. Februar jährte sich zum 100. mal der Beginn der Schlacht von Verdun. Sie dauerte bis zum 19. Dezember des gleichen Jahres und wurde zum tragischen Höhenpunkt der Materialschlachten des 1. Weltkriegs. Eine riesige Menge von Kriegsmaterial und jungen Männer – die in diesem Fall auch wie Material behandelt und verschleudert wurden – sollte in der deutsch-französischen Front zu einer Wende oder gar zu einem Entscheid führen.

Letztlich brachte es weder noch. Nur Sinnlosigkeit, Tod und Elend.

Der 1. Weltkrieg ist weit weg. Es gibt keine Augenzeugen mehr. Was damals vor unserer Haustüre geschah, verstaubt in den dicken Geschichtsbüchern und wird im Unterricht nur knapp gestreift.

Zwar gab es in den letzten Monaten allerlei Gedenkanlässe für die Weltkriege, doch auf den Fotos dazu konnte man eher die schicke Garderobe der weiblichen Gäste aus Politik und Adel bewundern, als dass man sich mit den historischen Tatsachen auseinandersetzen musste.

Die Weltkriege sind weit weg. Zeitlich gesehen.

Doch auch die Ukraine, Syrien, Eritrea, Nigeria und all die anderen Krisenherde der Welt sind weit weg. Räumlich gesehen. Und weil die Presse uns immer wieder mit schlimmen Bildern bedient, stumpfen wir aus Selbstschutz ab.

Und darum gibt es Momente, wo man ohne Bilder auskommen muss.

Momente der Erinnerung. Moment der Demut: denn zu all diesem Grauen sind wir Menschen fähig. Ich wage zu behaupten: Jede und jeder von uns. Ausnahmslos.

Das Gedenken wird umso ehrlicher, desto mehr wir uns dies bewusst machen. Es lässt uns bescheidener werden und hilft hoffentlich auch im Kleinen, in unserem Alltag, uns für Frieden und Versöhnung und bessere Verständigung einzusetzen.

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