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Von grossen und kleinen Steinen

Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de
Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de

Das ist mir eine Nummer zu gross….. Das kann ich nicht mehr schaffen…. Das ist mir zu viel, zu schwer. Das kennen wir doch alle in unserem Leben. Dinge wachsen uns über den Kopf, werden zu gross und scheinen unsere Kräfte zu übersteigen.

Weil in den Geschichten und Berichten der Bibel viel über solche Situationen, Personen berichtet und erzählt wird, mag ich die Texte der Bibel. Besonders die Geschichten von Karfreitag bis Ostern. Hier ist eine grosse Spannung von Menschlichkeit, Schwäche und Zweifel, aber auch von Hoffnung, Herausforderung und Trost spürbar.

Eine Geschichte mag ich besonders: Als drei Frauen nach der Kreuzigung von Jesus mit wohlriechenden Öle am frühen Morgen auf dem Weg zum Friedhof waren, um an Jesus eine Totenpflege zu verrichten.

Sie machen sich Sorgen und fragen, wer ihnen den grossen Stein, der vor dem Grabeseingang den Zugang zu Jesus versperrte, mit Kraft wegrollen kann? Eins ist offensichtlich klar. Ihre Kraft rechte dafür nicht aus.

Die Kraft der Menschen reicht eben manchmal nicht aus um ans Ziel zu kommen. Da mischen sich Bedenken, Fragen und Sorgen in die Gegenwart und Lebensrealität.

So auch bei den drei Frauen. Sie sind so menschlich, ihre Erinnerung, ihr Ansinnen, ihre Geschichte und letztendlich auch ihr Glaube, reichen nur bis zum übergrossen Stein vor dem Grabeseingang.

Es müssen im Leben nicht immer die ganz grossen Steine sein, die uns bremsen. Auch kleine Steine können Stolpersteine sein. Ein ganz kleiner Stein im Schuh, kann auch schon enorme Schmerzen am Fuss erzeugen. So kann es durchaus sein, dass uns alltägliche Dinge zu gross und schwer werden können.

Aber was ist die Antwort in dieser Geschichte? Die Frauen kamen zum Grab und der grosse Stein war schon war weggerollt, die Frauen hatten freien Zutritt zum Grab. Was hier vorher genau passiert ist wird nicht erzählt.

Die Biblischen Geschichten kommentieren solche Dinge nicht, sie lassen die Freiheit der Interpretation zu. Ich sehe darin eine Antwort Gottes auf unser menschliches Zweifeln, unsere Überforderung mit Dingen die zu schwer für uns sind und uns als unmöglich erscheinen.

Die Frauen gehen ins Grab hinein und finden Jesus nicht, sondern jemand der ihnen sagt, dass Jesus der gekreuzigte nicht im Grab bei den Toten ist, sondern auferstanden sei.

Ich mag diese Geschichte besonders, weil sie von menschlicher Schwäche, den Sorgen und den Zweifeln erzählt. Aber die Geschichte öffnet auch eine Tür ins Weite und die Freiheit. Denn nicht die Menschen haben in der Geschichte das unverrückbare verrückt, sondern eine andere Macht.

Frohe Ostern!

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3 Kommentare

  1. ein schwerer stein liegt vor uns mit dem thema des sexuellen missbrauchs von kindern und jugendlichen, das gerade wieder von sich reden macht. wir haben gut reden: durch zahlreiche beiträge der medien etc sind wir heute aufgeklärt betreffend der überforderung von kindern und jugendlichen durch eine sexuelle beziehung, die erwachsene zu ihnen eingehen. meines wissens war das in den jahren ab 68, wo man sich viel von sexueller befreiung versprach, nicht so. der stein kommt dann ins rollen, wenn wir das berücksichtigen, wenn – und das als erstes – der missbrauch aufgehört hat und doch eine freie beziehung zur sexualität und eine emotionale beziehung zu kindern und jugendlichen weiterlebt. oder anders herum: wenn der stein weggerollt ist, eröffnet sich uns das leben.

    • Guten Tag Herr Vogt
      Ich kann Ihrem Inhalt nicht ganz folgen bzw. verstehe nicht genau, was Sie sagen wollen.
      Für mich gibt es bezüglich sexuellen Übergriffen an Kindern und Jugendlichen keine Grauzonen.
      Ich habe in meinen Leben als Ehe und Lebensberater in einer Psychologischen Beratungsstelle zu viele für ihr ganzes Leben gebrochene Menschen erlebt, die irgendwann in ihrem Leben sexuell Missbraucht wurden. Oder im Bild zu bleiben, den Opfern von sexuellem Missbrauch wurden nicht nur schwere Steine in ihren Lebensweg gelegt, sondern kalte, verletzende und schmerzhafte Steine auf ihr Herz gelegt.
      Ich weiss, dass Ende der 60er Jahre z.B. bei bestimmten politischen Gruppierungen sexuelle Kontakte im Zuge einer sexuellen Freiheitsrevolution durchaus geduldet und als Befreiung gesehen wurde. So wurden z.B. in den frühen Jahren bei den Grünen in Deutschland solche Kontakte nicht verurteilt, weil es eben im Zuge der sexuellen Freiheit als Befreiung angesehen wurde. Fragt sich an dieser Stelle nur, für wen das „befreiend“ war. Ganz sicherlich nicht für die Opfer!
      Für mich ist jegliche Form des sexuellen Ausnutzen von Schutzbefohlenen nicht akzeptabel und zulässig. Gesetzlich gibt es diesbezüglich keinen Spielraum, ebenso für mich ethisch und moralisch auch nicht!

      • ich stimme Ihnen zu. ich sage lediglich, dass wir in unserer heutigen beurteilung des damaligen berücksichtigen müssen, dass damals die beurteilung von pädophilie weniger eindeutig war als heute. mit 14 fuhr ich töffli, weil ich nicht wusste, dass es ein umweltproblem gibt. kurz vor meinem 15. geburtstag merkte ich es und stieg vom motorfahrrad zurück aufs fahrrad. den fehler, ein mofa zu fahren, streite ich überhaupt nicht ab, aber in der beurteilung meines damaligen verhaltens 1971 stelle ich in rechnung, dass es mir schlicht nicht bekannt war, dass da ein problem besteht.

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