Von guten und bösen Geistern

Im Monat Mai feiern wir als Christen das Pfingstfest.

Nach der biblischen Erzählung waren die Anhängerinnen und Anhänger von Jesus 50 Tage nach Ostern ziemlich ratlos und verunsichert. Sie versammelten sich in Jerusalem und versteckten sich vor der Obrigkeit. Ihnen drohte die Verfolgung und Verhaftung, weil die Botschaft, die Geschichten und Erzählungen von Jesus und seiner angeblichen Auferstehung eine gewisse Unruhe und Nervosität bei der Obrigkeit auslöste. Dann, so die biblische Erzählung, kam plötzlich, als die Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus sich versammelten, Gottes Heiliger Geist über und in sie gefahren.

Dies geschah, so die biblische Beschreibung, durch ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herab wehte. Dazu so etwas wie ein Feuer, welches sich zerteilte und auf die Anwesenden wie in einer Feuerzunge niederliess. Alle Anhängerinnen und Anhänger von Jesus wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, sodass die vielen fremdsprachigen Pilger und Besucher, die in Jerusalem waren, die Sprache und Botschaft der von Gott Begeisterten hören und verstehen konnten.

Eine Idee, eine Begeisterung setzt Menschen in Bewegung. Das war vor 2000 Jahren so und ist heute auch noch so.

Allerdings nicht nur die guten, sondern auch die bösen Geister bewegen Menschen.

Wenn ich heute Nachrichten höre und im Fernsehen schaue und wenn ich mich in meinem Lebenskreis umschaue, dann denke ich oft, dass so viele böse Geister wie entfesselt in der Welt wüten. Not und Elend, Krieg und Tod, Hunger und Durst, Leid und Krankheit, Ungerechtigkeit und Korruption, Vertreibung und Flucht, Misstrauen und Kälte, Gier und Masslosigkeit, Frechheit und Dreistigkeit…. Überall, wohin ich schaue.

All das ist Ausdruck der Geisteshaltung von Menschen. Manchmal ist das alles zum Verzweifeln.

Aber dann denke ich unweigerlich an die Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus. Sie lebten in einer Welt ohne Menschenrechte, waren jeglicher Willkür der herrschenden römischen Macht ausgeliefert.

Sie waren nach diesem Geisterlebnis auf einmal frei und mutig dafür einzustehen, wofür sie sich begeisterten. Nämlich für die Botschaft von Jesus, die Botschaft der Versöhnung, der Hoffnung, der Auferstehung und des Lebens. Und dies trotz den vielen Geistern, die auch in der damaligen Zeit nur Tod und Vernichtung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung verbreiteten.

Und dann denke ich unweigerlich an Dietrich Bonhoeffer, der als gläubiger Christ und Anhänger der Bekennenden Kirche im Nazireich im KZ Flossenbürg vier Wochen vor Ende des 2. Weltkrieges auf Befehl von Hitler am 9. April 1945 ermordet werde.

Er, Dietrich Bonhoeffer schrieb in der Kälte des Gefängnisses, den sicheren Tod vor Augen und von bösen Geistern umgeben, kurz vor Weihnachten im Jahre 1944 seinen letzten Weihnachtsgruss an seine Verlobte. Dieser Weihnachtsgruss hat alle bösen Geister überlebt und ist für mich bis heute der Ausdruck eines von Gott bewegten und begeisterten Menschen.

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

(Das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer hat insgesamt 7 Strophen).